Im Streit mit der Bundesregierung um die lukrativen Hausarztverträge planen die Mediziner in der nächsten Woche noch keine Schließungen ihrer Praxen. "Wir machen so etwas nicht, ohne vorher unsere Patienten darüber zu informieren", sagte der Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands, Ulrich Weigeldt, der Zeitung "Die Welt" (Montagsausgabe). Weigeldt kündigte zugleich an, sein Verband werde gegen die Politik von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) protestieren. Als letztes Mittel seien geschlossene Praxen aber nicht auszuschließen.
Die schwarz-gelbe Koalition hatte sich kürzlich nach schwierigen Verhandlungen auf ein Paket zur Eindämmung der steigenden Gesundheitskosten geeinigt. Unter anderem sollen die Beiträge zur gesetzlichen Krankenkasse auf 15,5 Prozent angehoben werden. Zugleich sollen die Kassen von den Versicherten Zusatzbeiträge in unbegrenzter Höhe erheben können. Rösler will zudem die bislang höheren Honorare in den Verträgen auf das normale Vergütungsniveau absenken. Er erhofft sich dadurch Einsparungen von rund 500 Millionen Euro.
Weigeldt forderte Rösler auf, die gesetzlichen Rahmenbedingungen für Hausarztverträge in den nächsten drei Jahren nicht anzutasten. Der bayerische Hausärzteverband hatte am Freitag seine Proteste gegen Röslers Pläne vorerst abgesagt, nachdem Ministerpräsident Horst Seehofer und Gesundheitsminister Markus Söder (beide CSU) zugesagt hatten, dass laufende Verträge Bestand hätten. In den Hausarztverträgen verpflichten sich die Mediziner, eine Lotsenfunktion für die Patienten auszuüben und ihnen wenn nötig Spezialisten zu empfehlen.