6. Mai 2012, 22:18 Uhr

Mehr als 400 Festnahmen bei Protesten gegen Putin

Einen Tag vor der Amtseinführung des designierten russischen Präsidenten Wladimir Putin ist die Polizei gewaltsam gegen tausende Demonstranten vorgegangen.

Einen Tag vor der Amtseinführung des designierten russischen Präsidenten Wladimir Putin ist die Polizei gewaltsam gegen tausende Demonstranten vorgegangen. Nach eigenen Angaben führte die Polizei in Moskau mehr als 400 Demonstranten ab, darunter bekannte Oppositionsführer. Sicherheitskräfte setzten Schlagstöcke gegen die Protestierenden ein.

"Nach den derzeitigen Informationen wurden insgesamt mehr als 400 Menschen festgenommen", sagte ein Polizeisprecher nach Angaben der Nachrichtenagentur Itar-Tass in der russischen Hauptstadt. Die Festnahmen seien erfolgt, nachdem Demonstranten Steine und Wasserflaschen auf Polizisten geworfen hätten. Etwa 20 Polizisten wurden verletzt. Unter den Festgenommenen waren der Chef der oppositionellen Linksfront, Sergej Udalzow, Liberalenführer Boris Nemzow und Anti-Korruptions-Aktivist Alexej Nawalny. Udalzow wurde von der Bühne abgeführt, als er gerade eine Rede hielt.

Die als "Marsch der Millionen" angekündigte Demonstration fand einen Tag vor der Amtseinführung Putins als russischer Präsident statt. Nach Angaben der Veranstalter nahmen zehntausende Menschen an dem Protest teil, die Polizei sprach von 8000 Teilnehmern. Die Demonstranten versuchten zeitweise, mit einem Sitzstreik für Neuwahlen zu protestieren.

Behelmte Anti-Aufruhr-Einheiten versperrten der Menge den Weg über eine Brücke zum Platz der zentralen Kundgebung. Als die Demonstranten gegen die Polizeikette drängten, schlugen die Polizisten mit Schlagstöcken auf sie ein. Demonstranten wurden zu Boden geschlagen, bevor sie an Armen und Beinen in wartende Mannschaftswagen geschleppt wurden. Putins Sprecher Dmitri Peskow sagte im Fernsehen, man dürfe "die Situation nicht überdramatisieren" und verurteilte "Provokationen" am Rande der Demonstration.

An einer Demonstration von Anhängern Putins, die ebenfalls in Moskau stattfand, nahmen nach Polizeiangaben fast 30.000 Menschen teil, die Veranstalter hatten mehr als 50.000 Teilnehmer erwartet. Zu der Versammlung aufgerufen hatte die Gesamtrussische Volksfront (ONF), ein Zusammenschluss von Kreml-treuen Verbänden, Unternehmen und Gewerkschaften. Anders als die Opposition brauchte sie keine Genehmigung für die Kundgebung: Sie wurde offiziell nicht als Demonstration, sondern als "Feier" angemeldet, mit der der Verband an seine Gründung durch Putin vor einem Jahr erinnern wollte.

Putin war im März in einem von Betrugsvorwürfen überschatteten Urnengang erneut zum Präsidenten gewählt worden. Er hatte das Amt bereits von 2000 bis 2008 inne, durfte dann jedoch nicht für eine dritte Amtszeit hintereinander antreten. In den vergangenen vier Jahren amtierte Putin als Regierungschef. Das Amt des Präsidenten hatte Dmitri Medwedew inne, der von Kritikern als Platzhalter für Putin angesehen wurde. Mit Putins Vereidigung am Montag tauschen die beiden Politiker die Posten.

AFP