Mehr Kontrolle gegen Missbrauch bei Transplantationen

27. August 2012, 15:38 Uhr

Als Konsequenz aus den mutmaßlichen Organspendeskandalen von Göttingen und Regensburg sollen die Kontrollen bei den Organtransplantationen in Deutschland intensiviert werden.

0 Bewertungen

Als Konsequenz aus den mutmaßlichen Organspendeskandalen von Göttingen und Regensburg sollen die Kontrollen bei den Organtransplantationen in Deutschland intensiviert werden. "Wir wollen mit den richtigen Konsequenzen das Vertrauen in die Organspende stärken und Missbrauch bei Transplantationen verhindern", sagte Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) nach einem Spitzentreffen mit Vertretern der Länder, der Ärzteschaft und anderer Institutionen.

Bahr zufolge soll unter anderem die Prüfungskomission der Bundesärztekammer um zusätzliche unabhängige Experten erweitert werden. Die im Vorfeld diskutierte Einrichtung einer zentralen Bundesbehörde zur Organisation von Transplantationen lehnten Vertreter von Politik und Krankenkassen ab.

Die Transplantationsmedizin in Deutschland ist wegen des Verdachts der Manipulation bei der Zuteilung von Organen an Patienten in den Unikliniken in Göttingen und Regensburg in die Kritik geraten. Auch dass immer mehr Organe nicht über Wartelisten, sondern im Zuge eines Schnellverfahrens vergeben werden, löste Sorgen aus, dass die Zuteilung nicht gerecht erfolge.

Der saarländische Gesundheitsminister Andreas Storm (CDU) betonte nach dem Spitzentreffen, dass die Länder sich aktiver an den Kontrollen beteiligen werden. Das sehe auch das neue Transplantationsgesetz vor, das seit 1. August in Kraft ist. "Davon muss Gebrauch gemacht werden", sagte Storm.

Nach einer von der Hospiz-Stiftung in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage sind 59 Prozent der Bevölkerung für eine zentrale Bundesbehörde zur Organisation von Transplantationen, wie die "Berliner Zeitung" berichtet. 38 Prozent der Befragten halten das nicht für notwendig.

In Deutschland wurden nach Informationen der "Bild"-Zeitung in den Jahren 2000 bis 2011 insgesamt gut 50.000 Organe transplantiert. Dabei habe es 119 "klärungsbedürftige Auffälligkeiten" gegeben, berichtet die Zeitung unter Berufung auf einen internen Bericht der Prüfkommission der Bundesärztekammer. In 21 Fällen hätten Verstöße vorgelegen, die an Ministerien oder die Staatsanwaltschaft zur Überprüfung weiter geleitet worden seien.

Der Vorsitzende der Ethikkommission der Deutschen Transplantationsgesellschaft, Richard Viebahn, forderte unterdessen mehr Aufklärung für Patienten. "Wir brauchen eine Clearingstelle, an die sich Patienten bei Fragen nach Organvergaben wenden können", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Welches Organ an welchen Patienten vergeben wird, hängt von so vielen Faktoren ab, dass viele die Prozesse nicht nachvollziehen können." Eine Beratungsstelle könne etwa beim Bundesgesundheitsministerium oder bei der Bundesärztekammer angesiedelt sein.

AFP