Öl, Gas, seltene Erden: Die deutsche Wirtschaft hat freien Zugang zu wichtigen Rohstoffen in Afrika gefordert. Gefürchtet werden vor allem Exklusivverträge mit China. Die Hoffnungen auf Kanzlerin Merkel sind hoch.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) muss sich nach Ansicht der deutschen Wirtschaft auf ihrer derzeitigen Afrikareise für die deutschen Rohstoff-Interessen stark machen. "Die deutsche Wirtschaft erhofft sich von der Kanzlerin Engagement für einen weiterhin freien Zugang zu Afrikas Rohstoffen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Martin Wansleben, der "Passauer Neuen Presse" vom Dienstag. Dabei gehe es nicht nur um Öl und Gas, sondern auch um die sogenannten Seltenen Erden, für die zuletzt häufiger chinesische Unternehmen Exklusivverträge abschlossen.
Diese Abkommen zum Ausbeuten der seltenen Erden schadeten "nicht nur der deutschen Wirtschaft", sagte Wansleben. Solche Vereinbarungen führten zur starken Abhängigkeit der Staaten von einem einzelnen Abnehmer, der dann die Konditionen diktieren könne. Ein Nutzen für die lokale Bevölkerung werde erst durch verantwortungsvolle Investoren sichergestellt. "Deutschen Unternehmen eilt auch in Afrika der Ruf voraus, Qualität mit hohen ökologischen und sozialen Standards zu verbinden", warb der DIHK-Hauptgeschäftsführer für die deutsche Wirtschaft.
Seltene Erden werden für viele Hightech-Produkte wie Elektromotoren, Windräder und Smartphones benötigt. Derzeit liefert China mehr als 95 Prozent dieser Mineralien für den Weltmarkt. Die Volksrepublik hatte die Ausfuhr seltener Erden zuletzt aber eingeschränkt und mehrere Minen unter staatliche Kontrolle gebracht. Die Preise für die begehrten Rohstoffe waren im vergangenen Jahr deshalb um 130 Prozent gestiegen. Westliche Industrieländer hatten China dabei wiederholt vorgeworfen, das Angebot künstlich zu verknappen.
Merkel begann am Montagabend in Kenia ihre viertägige Afrikareise. Anschließend reist sie weiter nach Angola und in die nigerianische Hauptstadt Lagos. Merkel wird von der Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) und einer Wirtschaftsdelegation begleitet.