Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Hinterbliebenen der Opfer der jahrelang unentdeckt gebliebenen Neonazi-Zelle um Verzeihung gebeten.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Hinterbliebenen der Opfer der jahrelang unentdeckt gebliebenen Neonazi-Zelle um Verzeihung gebeten. Die Hintergründe der rechtsextremistischen Verbrechensserie seien "viel zu lange im Dunkeln" geblieben, "das ist die bittere Wahrheit", sagte Merkel in ihrer Rede bei der offiziellen Gedenkfeier für die Opfer der Mordserie in Berlin. Einige der Opfer hätten selbst über Jahre unter Verdacht gestanden. Dies sei besonders beklemmend, "und dafür bitte ich Sie um Verzeihung".
"Wie schlimm muss es sein, über Jahre falschen Verdächtigungen ausgesetzt zu sein, statt trauern zu können", sagte die Regierungschefin vor den Hinterbliebenen der Opfer und den Trauergästen. "Als Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland verspreche ich Ihnen: Wir tun alles, um die Morde aufzuklären, die Helfershelfer und Hintermänner aufzudecken, alle Täter ihrer gerechten Strafe zuzuführen."
Merkel sagte, die Leben der Opfer seien ausgelöscht worden "durch kaltblütigen Mord". Die Kanzlerin nannte die Namen der neun getöteten Migranten sowie der in Heilbronn erschossenen Polizistin und beschrieb ihre familiäre und berufliche Situation. "Wir ehren die Opfer dieser Terrorgruppe und wir erinnern gleichzeitig auch an die Opfer weiterer schrecklicher Taten", sagte die Kanzlerin mit Blick auf zwei Sprengstoffanschläge mit Verletzten in Köln, die der Zelle ebenfalls zur Last gelegt werden.
Viele der Opfer hätten äußerliche Wunden davongetragen, sagte Merkel. Wie sehr ihre seelischen Verletzungen schmerzten, "das können wir nur ahnen". "Wir vergessen zu schnell, viel zu schnell", mahnte die Kanzlerin. Gleichgültigkeit habe "eine schleichende, aber verheerende Wirkung".
Die Gedenkfeier im Berliner Konzerthaus hatte der am Freitag zurückgetretene Bundespräsident Christian Wulff auf Wunsch der Angehörigen der Opfer initiiert. Anlass ist die bundesweite Mordserie an den Migranten und der Polizistin, die der jahrelang unentdeckt gebliebenen Zwickauer Neonazi-Zelle zugeschrieben wird. Vor dem Auffliegen der Zelle im vergangenen Herbst waren die Ermittler unter anderem dem Verdacht nachgegangen, die Morde stünden im Zusammenhang mit kriminellen Aktivitäten von Ausländern.