86 Tore: Messi bricht Gerd Müllers Torrekord

10. Dezember 2012, 14:38 Uhr

Nach dem Verlust seines "Rekordes für die Ewigkeit" verneigte sich sogar Gerd Müller vor Lionel Messi.

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Nach dem Verlust seines "Rekordes für die Ewigkeit" verneigte sich sogar Gerd Müller vor Lionel Messi. "40 Jahre hat mein Rekord gehalten, jetzt hat der beste Fußballer der Welt ihn gebrochen", sagte der "Bomber der Nation" und ergänzte: "Ich freue mich für ihn. Messi ist fantastisch. Er hat eigentlich nur einen Fehler: Er spielt nicht für den FC Bayern. Er ist ein unglaublicher Spieler, ein Gigant und dabei ein so sympathischer und eher zurückhaltender Profi."

Auch die Kollegen verneigten sich vor dem wohl besten Fußballer der Gegenwart, und die Medien überboten sich nach Messis 86. Pflichtspieltreffer im Kalenderjahr 2012 mit Lobeshymnen. Ganz vorne lag dabei ausgerechnet die "Marca", eigentlich Hauspostille von Real Madrid - dem Erzrivalen von Messis Klub FC Barcelona. "Messi ist einfach das Nonplusultra", schrieb das Blatt: "Ein außerirdischer Rekordfresser, dessen Limit das Jenseits ist." Fast verhalten wirkte dagegen das Urteil von Sport aus Barcelona: "Rakete Messi übertrifft Torpedo Müller."

Messi selbst nahm die neuerliche Bestmarke fast schon beschämt zur Kenntnis. "Ich werde versuchen, bis Ende des Jahres noch ein oder zwei Tore mehr zu machen", sagte er schüchtern und kaum verständlich: "Um es allen, die nach mir kommen, noch ein bisschen schwerer zu machen." Auch das gönnt ihm Müller: "Ich hoffe, dass ihm noch der eine oder andere Treffer gelingt und sein Rekord dann für die nächsten 40 Jahre hält."

Für den wahren Rekord, werden Müller-Fans sagen, müssten auch noch Tore folgen. Denn relativ gesehen hält die Bestmarke weiterhin "kleines, dickes Müller". Messi benötigte nämlich 66 Pflichtspiele für seinen Rekord, Müller hatte 1972 in 60 Partien 85 Treffer erzielt. Will Messi auch Müllers Quote von 1,41 Toren pro Partie erreichen, müsste er in den restlichen drei Pflichtspielen noch elf Tore erzielen.

In Barcelona kümmert diese Einschränkung niemanden, denn Messi hat einfach alle verzaubert. Für Barcas Sportdirektor Andoni Zubizarreta ist alleine die Bescheidenheit des 25-Jährigen unangebracht. "Er wird immer sagen, dass seine Tore das Verdienst der Mannschaft sind. Aber das Talent, Tore zu schießen, ist ganz alleine seines", sagte der frühere spanische Nationaltorhüter.

Barca-Trainer Tito Vilanova, dessen Mannschaft mit dem 14. Sieg im 15. Saisonspiel ohne Niederlage den Startrekord ausbaute, zog ebenfalls den Hut. "Was Messi geschafft hat, erschien mir unmöglich. Manche Stürmer brauchen sieben oder acht Jahre, um so viele Tore zu schießen. Und bei ihm waren die meisten auch noch spektakulär", sagte er: "Ich glaube nicht, dass es jemals wieder so einen Spieler geben wird." Auch Messis Mitspieler sind voller Bewunderung für ihren Kollegen. "Das ist kaum zu glauben. Messi ist einfach übernatürlich", sagte Piqué. Und Javier Mascherano meinte: "Leo, für das, was du machst, gibt es keine Worte!"

Dafür sprechen die Zahlen. Insgesamt erzielte Messi 56 Liga-Tore für Barca, 13 Mal traf er 2012 in der Champions League, wo er in den vergangenen vier Jahren jeweils Torschützenkönig geworden war, hinzu kommen drei im spanischen Pokal, zwei im Supercup und zwölf Länderspiel-Tore für Argentinien. Mit nun 192 Toren für Barcelona übertraf er Cesar Rodriguez, der zwischen 1939 und 1955 insgesamt 190 Mal für Barca getroffen hatte. Hier liegt Messi auch bei der Quote vorne: Er benötigte 229 Spiele, Cesar 287.

Viele Weggefährten gratulierten Messi auch über Twitter. "Eine erstaunliche Leistung", zwitscherte FIFA-Boss Joseph S. Blatter. "Einfach einmalig. Messi is all in", schrieb der deutsche Nationalspieler Lukas Podolski, und Englands Fußball-Legende Gary Lineker meinte gar: "Der Rekord ist im Sack, der Goldene Ball ist im Sack - und die Auszeichnung als Größter aller Zeiten sicher auch!"

Zwei Dinge fehlen Messi in den Augen vieler dazu noch: Glamour und ein Erfolg mit der Nationalmannschaft. "Im Zeitalter der Riesen im Sport ist ein kleiner Mann der weltbeste Fußballer", schrieb der "Mirror" über den extrem bescheidenen 25-Jährigen, der in der Vorwoche erstmals Vater geworden war. "Die Diskussion, ob er der beste Spieler aller Zeiten ist, wird aber weitergehen. Und sie wird erst aufhören, wenn Messi auch den WM-Pokal gewinnt", schrieb der Independent. Gerd Müller war 1974 Weltmeister.

AFP