Mugabe lässt sich als Wahlsieger in Simbabwe feiern

1. August 2013, 17:58 Uhr

Während sich Simbabwes langjähriger Herrscher Robert Mugabe schon als Sieger der Präsidentschaftswahl feiern lässt, hat sein Herausforderer die Wahl als "gewaltige Farce" verurteilt: Wegen massiver Unregelmäßigkeiten sei die Abstimmung "null und nichtig", erklärte Ministerpräsident Morgan Tsvangirai und warnte vor einer "ernsten Krise" in dem südafrikanischen Land.

Während sich Simbabwes langjähriger Herrscher Robert Mugabe schon als Sieger der Präsidentschaftswahl feiern lässt, hat sein Herausforderer die Wahl als "gewaltige Farce" verurteilt: Wegen massiver Unregelmäßigkeiten sei die Abstimmung "null und nichtig", erklärte Ministerpräsident Morgan Tsvangirai und warnte vor einer "ernsten Krise" in dem südafrikanischen Land. Vor seinem Hauptquartier in Harare bezogen Bereitschaftspolizisten Stellung, wie AFP-Reporter beobachteten.

"Wir haben überzeugend gewonnen", sagte ein ranghohes Mitglied aus Mugabes Regierungspartei ZANU-PF. Tsvangirais Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) sei sowohl bei der Präsidentschafts- als auch bei der Parlamentswahl klar geschlagen worden. Gerade in den Städten, die eher für das Tsvangirai-Lager wählen, habe die ZANU-PF viele Sitze erobert. Mugabe selbst, der das Land seit 33 Jahren mit eiserner Hand regiert, erklärte sich aber noch nicht offiziell zum Sieger.

Die Wahlkommission teilte am Nachmittag mit, alle Wahlzettel seien eingesammelt und würden nun ausgewertet. Die offiziellen Ergebnisse werden für Montag erwartet. Wenn kein Kandidat 50 Prozent erhält, findet am 11. September eine Stichwahl statt.

Mugabe-Herausforderer Tsvangirai sprach von einer "schändlichen" Abstimmung, die den Willen der Bevölkerung "nicht widerspiegelt". "Die schäbige Organisation und die konsequente Illegitimität des Ergebnisses werden dieses Land in eine ernste Krise stürzen." Er erinnerte mit seinen Worten an die letzte Wahl: 2008 hatte er nach Runde eins deutlich vorn gelegen, woraufhin blutige Angriffe gegen seine Anhänger begannen und er seine Kandidatur zurückziehen musste.

In einer Liste seiner Partei MDC zu Unregelmäßigkeiten werden zehn Punkte aufgeführt. Die Vorwürfe reichen von einer Fälschung der Wählerlisten bis zu Einschüchterungen der Opposition. Nach einem Bericht der nationalen Nichtregierungsorganisation ZESN, die 7000 Beobachter geschickt hatte, waren eine Millionen Stadtbewohner vom Register verschwunden. Unabhängig vom Ergebnis sei die Legitimität der Wahl "ernsthaft beschädigt", sagte ZESN-Präsident Solomon Zwana.

Ein Vertrauter Tsvangirais forderte die Simbabwer zum Widerstand auf. Mit Bezug auf die Wahlen sprach der Oppositionelle Roy Bennett on "Diebstahl im größten Ausmaß". Die Simbabwer müssten entschieden dagegen vorgehen, sagte er der Nachrichtenagentur AFP.

Allein der Chefbeobachter der Afrikanischen Union (AU), Olusegun Obasanjo, nannte die Wahl "friedlich, geordnet, frei und fair". Das US-Außenministerium lobte zwar den friedlichen Verlauf. Die wegen Menschenrechtsverstößen verhängten Sanktionen würden aber nur aufgehoben, wenn die Wahlen als glaubwürdig und transparent bewertet würden, sagte eine Sprecherin.

Rund 6,4 Millionen Bürger waren am Mittwoch aufgerufen, einen neuen Präsidenten und ein neues Parlament für Simbabwe zu wählen. Tsvangirai trat bereits zum vierten Mal bei einer Präsidentschaftswahl gegen Mugabe an. Der regiert das Land seit der Unabhängigkeit von Großbritannien ununterbrochen. Durch die systematische Enteignung von Weißen und zahlreiche andere Maßnahmen bescherte er dem Land einen rasanten wirtschaftlichen Niedergang.

 
 
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