1. Mai 2012, 15:58 Uhr

Kommission: Murdoch nicht als Konzernchef geeignet

Wegen des Abhörskandals bei der inzwischen eingestellten Boulevard-Zeitung "News of the World" hat eine britische Parlamentarierkommission Medienmogul Rupert Murdoch als Konzernchef für "nicht geeignet" erklärt.

Wegen des Abhörskandals bei der inzwischen eingestellten Boulevard-Zeitung "News of the World" hat eine britische Parlamentarierkommission Medienmogul Rupert Murdoch als Konzernchef für "nicht geeignet" erklärt. Angesichts der illegalen Praktiken habe sich Murdoch "blind gestellt", erklärte die Kommission. Murdochs Konzern entschuldigte sich erneut für die "Verletzung der Privatsphäre" der Abgehörten.

Die Untersuchungskommission, die jetzt ihren 121-Seiten-Bericht veröffentlichte, ist nur eines von mehreren Gremien, die sich mit dem Skandal bei "News of the World" ("NotW") befassen. Diese Kommission bestand aus jeweils fünf Abgeordneten der Konservativen und der Labour-Partei sowie einem Liberaldemokraten. Sie empfahl, das Londoner Unterhaus solle die erforderlichen Sanktionen wegen des Abhörskandals beschließen.

Allerdings wurde der Bericht der Kommission nicht einstimmig verabschiedet, sondern mit vier Nein-Stimmen aus den Reihen der regierenden konservativen Partei von Premierminister David Cameron. Der Labour-Abgeordnete Tom Watson nannte dies bedauerlich, da der Skandal "Schande" über das Land gebracht habe. Die konservative Abgeordnete Louise Mensch hingegen kritisierte den Bericht als "einseitig".

In dem Bericht der Parlamentarierkommission wird beklagt, die Herausgeber des Blattes hätten reflexartig versucht, die Vorgänge zu vertuschen, statt sie aufzuklären. Bei ihren Auskünften vor den Volksvertretern hätten diverse Zeugen und Verlagsverantwortliche "Verachtung" für das parlamentarische Gremium an den Tag gelegt, heißt es in dem Bericht weiter. Der 81-jährige Konzernchef und sein ebenfalls an der Konzernspitze tätiger, 39-jähriger Sohn James sollten sich darauf einstellen, für die Vorgänge zur Verantwortung gezogen zu werden.

"News of the World" gehörte zu Murdochs Medien-Imperium News Corporation. Journalisten des Boulevardblatts hatten über Jahre insgesamt rund 800 Politiker, Prominente sowie Anschlags- und Entführungsopfer abgehört. Die Zeitung wurde im Juli eingestellt. Zu den Mitschuldigen der Abhörpraktiken zählte die Kommission den früheren Chef von News International, Les Hinton, "News of the World"-Herausgeber Colin Myler und den früheren Leiter der Rechtsabteilung bei News International, Tom Crone.

Seit den ersten Enthüllungen über den Skandal gab es bereits rund 40 Festnahmen, die News-Corporation-Tochter News International zahlte an Opfer des Abhörskandals Millionen-Entschädigungen. Am Dienstag bekräftigte die News Corporation, dass es bei "NotW" "erhebliches Fehlverhalten" gegeben habe. Auf die Kritik an Rupert und James Murdoch ging der Konzern nicht direkt ein.

AFP