Mutmaßliche Vergewaltiger in Indien vor Gericht

7. Januar 2013, 15:33 Uhr

Unter massiven Sicherheitsvorkehrungen sind im Fall der nach einer Gruppenvergewaltigung gestorbenen Inderin fünf mutmaßliche Täter erstmals vor Gericht erschienen.

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Unter massiven Sicherheitsvorkehrungen sind im Fall der nach einer Gruppenvergewaltigung gestorbenen Inderin fünf mutmaßliche Täter erstmals vor Gericht erschienen. Wegen tumultartiger Zustände im viel zu kleinen Verhandlungssaal fand die Anhörung der wegen Mordes angeklagten Männer hinter verschlossenen Türen statt. Zwei der Männer erklärten sich in der Hoffnung auf mildere Strafen zur Zusammenarbeit mit der Justiz bereit.

Jedem der fünf Angeklagten im Alter zwischen 19 und 35 sei eine komplette Anklageschrift übergeben worden, sagte Richterin Namrita Aggarwal nach der kurzen Anhörung vor Journalisten. Für Donnerstag wurde die nächste Anhörung angesetzt. Wie aus Gerichtskreisen verlautete, zeigten sich zwei der Angeklagten kooperativ und wollten als Zeugen auftreten. Die fünf Männer wurden abgeschirmt von der Öffentlichkeit ins Gericht gebracht, da um ihre Sicherheit gefürchtet wurde. Viele Menschen hatten öffentlich die Todesstrafe gefordert.

Insgesamt sechs Männern wird vorgeworfen, Mitte Dezember eine 23-jährige Studentin in einem Bus in Neu Delhi vergewaltigt, schwer misshandelt und anschließend mit ihrem Freund aus dem Fahrzeug geworfen zu haben. Die junge Frau war Ende Dezember an den Folgen des Übergriffs gestorben. Ihr Schicksal hatte eine Welle von Protesten in Indien ausgelöst. Der sechste Verdächtige ist 17 Jahre alt und dürfte vor ein Jugendgericht kommen.

Wegen Überfüllung des Gerichtssaals ordnete Richterin Aggarwal an, die Anhörungen hinter verschlossenen Türen abzuhalten. Demnach drängten sich rund 150 Menschen in einen für 30 Plätze vorgesehenen Saal, darunter dutzende Anwälte und Journalisten. Der Tumult hatte bereits zu Verzögerungen am Gericht geführt. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort.

Vor dem Gericht im Hauptstadtbezirk Saket protestierten zahlreiche Anwälte gegen die Entscheidung zweier Kollegen am Obersten Gerichtshof, die sich zur Verteidigung der Angeklagten bereit erklärt hatten. Sämtliche bei der Anwaltskammer des Bezirks zugelassene Anwälte hatten die Verteidigung der Männer abgelehnt. Jeder verdiene indes "einen angemessenen Prozess", verteidigte einer der Anwälte seine Bereitschaft, die Vertretung der Beschuldigten zu übernehmen.

Normalerweise vergehen in Indien nach einem Verbrechen oft Monate oder sogar Jahre bis zu einem Prozess. Zudem ist sexuelle Gewalt gegen Frauen in der indischen Gesellschaft noch immer an der Tagesordnung. Im Fall der jungen Inderin war wegen des Aufruhrs nach der Tat indes ein Schnellgericht eingesetzt worden. Rechtsexperten rechnen aber damit, dass die Richterin den Fall alsbald an ein höheres Gericht übergibt.

Den Männern werden unter anderem Mord, Vergewaltigung, Entführung und Raub vorgeworfen. Damit droht ihnen die in Indien allerdings selten angewandte Todesstrafe. Die Staatsanwaltschaft hatte am Wochenende erklärt, klare DNA-Beweise gegen die Angeklagten zu haben.

Der Vater der Inderin gab unterdessen die Identität seiner Tochter preis. "Wir möchten, dass die Welt ihren wahren Namen erfährt", sagte er der britischen Boulevardzeitung "Sunday People", die den Namen des Vaters und der Tochter druckte. "Ich bin stolz auf sie. Ihren Namen zu enthüllen, wird anderen Frauen Mut machen, die solche Angriffe überlebt haben." Das indische Gesetz verbietet es, die Identität der Opfer von Sexualverbrechen zu nennen.

AFP