Nach der gescheiterten Fusion mit der New Yorker Börse muss der Chef der Deutschen Börse, Reto Francioni, Medienberichten zufolge um sein Amt fürchten.
Nach der gescheiterten Fusion mit der New Yorker Börse muss der Chef der Deutschen Börse, Reto Francioni, Medienberichten zufolge um sein Amt fürchten. Bei der nächsten Aufsichtsratssitzung am 13. Februar solle es "eine gründliche und ergebnisoffene Diskussion über die Konsequenzen aus dem Fusionsdesaster" geben, sagte Aufsichtsratsmitglied Johannes Witt laut einem Bericht des "Spiegel". Zusammen mit anderen Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat wolle er über "Fehleinschätzungen" Francionis reden.
Kritik an Francioni äußerte laut einem Bericht der "Wirtschaftswoche" auch die Deutsche-Bank-Tochter DWS. "Hin und wieder muss es einen Neuanfang geben - in welcher Form auch immer", zitierte die Zeitung den DWS-Manager Henning Gebhardt. "Gerade an Herrn Francioni geht das Ganze nicht spurlos vorbei." Durch die Konzentration auf die Übernahmen habe die Deutsche Börse ihr Tagesgeschäft vernachlässigt, sei zu wenig auf Kundenwünsche eingegangen und habe Marktanteile verloren, sagte Gebhardt. Die Fusionsbemühungen hätten über ein Jahr lang die Kräfte des Managements gebunden.
Die EU-Kommission hatte die Fusion der Frankfurter mit der New Yorker Börse am Mittwoch untersagt, weil der Wettbewerb dadurch "in erheblichem Maße" eingeschränkt worden wäre. Im weltweiten Börsenhandel mit europäischen Finanzderivaten hätte der Zusammenschluss zu einer "monopolartigen Stellung" geführt, hieß es in der Begründung. Durch das Zusammengehen wäre der größte Börsenbetreiber weltweit mit Standorten in Frankfurt am Main, New York, Paris, Lissabon, Amsterdam und Brüssel entstanden.