14. März 2011, 13:31 Uhr

Experten warnen Deutsche vor Jodeinnahme

In Japan werden Jodtabletten verteilt, die bei einem Strahlenunfall einen gewissen Schutz bieten. Auch in Deutschen beginnen Menschen nun, sich mit dem Mineral einzudecken. Ein Fehler, sagen Experten.

Nach dem Atomunfall in Japan raten Experten in Deutschland von einer vorbeugenden Einnahme von Jod ab. Die Bundesbürger sollten Jodtabletten, wenn überhaupt, nur nach ausdrücklicher behördlicher Aufforderung einnehmen, erklärte die Präsidentin der Bundesapothekerkammer, Erika Fink, am Montag in Berlin. Eine Einnahme der Mittel auf eigene Faust sei ausdrücklich nicht zu empfehlen.

Wolfram König, Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), schloss sich dieser Empfehlung an. Nach Berichten von Bürgern, die in Apotheken verstärkt Jodtabletten kaufen, sagte König am Montag: "Es gibt keinen Grund, hierzulande zusätzlich Jod zu sich zu nehmen. Dies ist gesundheitsschädlich".

Radioaktives Jod wird vom Körper über die Luft, über Nahrung und Getränke oder über die Haut aufgenommen. Es reichert sich in der Schilddrüse an und kann dort zu Organschäden führen. Eine mit Jod gesättigte Schilddrüse wird weniger oder kein radioaktives Jod aufnehmen. Deshalb kann durch die Einnahme von Jodtabletten die Speicherung von radioaktivem Jod verhindert werden. Jodtabletten schützen aber nicht vor anderen radioaktiven Stoffen.

Für die Blockade der Aufnahme radioaktiven Jods reicht nach Angaben der Apothekerkammer im Regelfall eine einmalige Einnahme von Kaliumiodid als Notfallmedikament. Erwachsene über 45 Jahren sollten zudem grundsätzlich keine hochdosierten Jodtabletten einnehmen, da diese das Risiko für schwerwiegende Schilddrüsenerkrankungen erhöhen. Auch wer zum Beispiel auf Jod überempfindlich reagiert oder eine Schilddrüsenüberfunktion hat, sollte auf die vorbeugende Jodeinnahme verzichten.

Mehrere Explosionen in einem weiteren Reaktor des vom Erdbeben schwer getroffenen Kernkraftwerks Fukushima 1 hatten am Montag in Japan die Angst vor einer atomaren Katastrophe weiter geschürt. Über einen Austritt von Radioaktivität gab es aber zunächst unklare Angaben.

jwi/AFP/DPA
 
 
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