Die US-Armee sieht sich im Afghanistaneinsatz erneut Vorwürfen ausgesetzt, ihre Soldaten hätten Leichen von Aufständischen geschändet.
Die US-Armee sieht sich im Afghanistaneinsatz erneut Vorwürfen ausgesetzt, ihre Soldaten hätten Leichen von Aufständischen geschändet. Die "Los Angeles Times" veröffentlichte mehrere Fotos von 2010, auf denen US-Soldaten offenbar mit den Überresten von Aufständischen posieren. US-Verteidigungsminister Leon Panetta und der ISAF-Kommandeur John Allen verurteilten die Vorfälle und kündigten eine Untersuchung an.
Wie die "Los Angeles Times" berichtete, ereignete sich der erste Vorfall im Februar 2010. Demnach waren Fallschirmspringer der 82. Luftlande-Division zu einem afghanischen Polizeistützpunkt in der Provinz Sabol entsandt worden, um die Überreste eines mutmaßlichen Selbstmordattentäters zu untersuchen. Eigentlich hätten sie ihn identifizieren sollen, doch hätten sie dabei Fotos gemacht, auf denen sie mit den Überresten posierten.
Einige Monate später habe dieselbe Einheit den Auftrag bekommen, die Leichen von drei Aufständischen zu untersuchen, die sich laut afghanischer Polizei versehentlich in die Luft gesprengt hatten. Zwei US-Soldaten hätten sich dabei für Fotos in Szene gesetzt, bei denen sie die Hände der Toten mit ausgestrecktem Mittelfinger hochhielten. Ein weiterer Soldat habe eine Plakette mit der Aufschrift "Zombie Hunter" ("Zombie-Jäger") neben die Leichen gelegt.
Die zwei Jahre alten Bilder "repräsentieren keinesfalls die Werte oder den Professionalismus der überwältigenden Mehrheit der US-Soldaten, die heute in Afghanistan dienen", erklärte ein Pentagon-Sprecher in Brüssel. Es sei eine Untersuchung eingeleitet worden, die zu Disziplinarmaßnahmen führen könne. Die Verantwortlichen für dieses "menschenverachtende Verhalten" würden im Rahmen der US-Militärjustiz zur Rechenschaft gezogen.
Auch NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen verurteilte die Fotos. "Ich verurteile diese Fotos und natürlich diese Taten sehr", sagte Rasmussen bei einem Treffen der NATO-Verteidigungs- und Außenminister in Brüssel. Die Aufnahmen spiegelten jedoch keinesfalls die "Prinzipien und Werte" des NATO-Einssatzes in Afghanistan wider.
"Ich betrachte dies als einen Einzelfall", fügte Rasmussen hinzu. Der NATO-Generalsekretär kündigte eine Untersuchung des Vorfalls an. Es würden die "notwendigen und angemessenen" Schritte folgen, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zur ziehen.
Der Kommandeur der internationalen Afghanistantruppe ISAF, John Allen, verurteilte ebenfalls die Taten und sagte, sie spiegelten nicht die Politik der ISAF oder der US-Armee wider. Der Pentagon-Sprecher kritisierte die Veröffentlichung der Bilder entgegen der ausdrücklichen Bitte des US-Verteidigungsministeriums. Die Fotos könnten nun genutzt werden, um in Afghanistan zur Gewalt gegen US-Soldaten und afghanische Sicherheitskräfte aufzurufen.
Der Herausgeber der "Los Angeles Times", Davan Maharaj, erklärte, die Zeitung habe sich "nach sorgfältiger Prüfung" entschlossen, "eine kleine, aber repräsentative Auswahl" zu publizieren. Die "L.A. Times" sehe sich gegenüber ihren Lesern in der Pflicht, "unparteiisch über alle Aspekte des amerikanischen Einsatzes in Afghanistan zu berichten".