18. April 2012, 21:03 Uhr

Neue Vorwürfe zu Leichenschändungen durch US-Soldaten

Die US-Armee sieht sich im Afghanistan-Einsatz erneut Vorwürfen ausgesetzt, ihre Soldaten hätten Leichen von Aufständischen geschändet.

Die US-Armee sieht sich im Afghanistan-Einsatz erneut Vorwürfen ausgesetzt, ihre Soldaten hätten Leichen von Aufständischen geschändet. Die "Los Angeles Times" veröffentlichte mehrere Fotos von 2010, auf denen US-Soldaten offenbar mit den Überresten von Aufständischen posieren. Die US-Regierung und die NATO verurteilten die Fotos scharf.

Wie die "Los Angeles Times" berichtete, ereignete sich der erste Vorfall im Februar 2010. Demnach waren Fallschirmspringer der 82. Luftlande-Division zu einem afghanischen Polizeistützpunkt in der Provinz Sabol entsandt worden, um die Überreste eines mutmaßlichen Selbstmordattentäters zu untersuchen. Eigentlich hätten sie ihn identifizieren sollen, doch hätten sie dabei Fotos gemacht, auf denen sie mit den Überresten posierten.

Einige Monate später habe dieselbe Einheit den Auftrag bekommen, die Leichen von drei Aufständischen zu untersuchen, die sich laut afghanischer Polizei versehentlich in die Luft gesprengt hatten. Zwei US-Soldaten hätten sich dabei für Fotos in Szene gesetzt, bei denen sie die Hände der Toten mit ausgestrecktem Mittelfinger hochhielten. Ein weiterer Soldat habe eine Plakette mit der Aufschrift "Zombie Hunter" ("Zombie-Jäger") neben die Leichen gelegt.

Das auf den Bildern dargestellte Verhalten sei "verwerflich", erklärte das Weiße Haus in Washington. US-Verteidigungsminister Leon Panetta verurteilte ebenfalls die Fotos. "Das ist sicherlich nicht, wofür wir stehen", sagte er am Rande eines NATO-Treffens in Brüssel. Eine Untersuchung sei eingeleitet worden, die Verantwortlichen würden zur Rechenschaft gezogen. NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen betonte, das Verhalten spiegele keinesfalls die "Prinzipien und Werte" des internationalen Einsatzes in Afghanistan wider. "Ich betrachte dies als einen Einzelfall", fügte er hinzu.

Die US-Regierung kritisierte die Veröffentlichung der Bilder. Die Fotos könnten nun genutzt werden, um in Afghanistan zur Gewalt gegen US-Soldaten und afghanische Sicherheitskräfte aufzurufen. Der Herausgeber der "Los Angeles Times", Davan Maharaj, erklärte dagegen, seine Zeitung sehe sich gegenüber ihren Lesern in der Pflicht, "unparteiisch über alle Aspekte des amerikanischen Einsatzes in Afghanistan zu berichten".

Die Beziehungen der USA zur afghanischen Regierung sind bereits durch eine Reihe weiterer Vorfälle belastet. Im Januar sorgte ein Video für Empörung, auf dem US-Soldaten beim Urinieren auf Leichen getöteter Aufständischer zu sehen sind. Mitte Februar löste die Verbrennung von Koran-Exemplaren auf einem US-Stützpunkt heftige Proteste aus. Im März soll ein US-Soldat im Süden des Landes in einem nächtlichen Amoklauf 17 Menschen ermordet haben, die meisten von ihnen Frauen und Kinder.

AFP