Neuer Papst schreibt Brief an Juden

14. März 2013, 18:58 Uhr

Der neue Papst will die Beziehungen zwischen Katholiken und Juden verbessern.

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Der neue Papst will die Beziehungen zwischen Katholiken und Juden verbessern. Gleich an seinem ersten Arbeitstag schrieb Franziskus einen entsprechenden Brief an die jüdische Gemeinde in Rom. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundestagspräsident Norbert Lammert (beide CDU) wollen am Dienstag in Rom an der feierlichen Zeremonie zur Amtseinführung teilnehmen. Das teilten Bundesregierung und Deutscher Bundestag mit. Die Jesuiten in Deutschland zeigten sich unterdessen "überrascht" über die Wahl ihres argentinischen Ordensbruders. Zahlreiche Glückwünschen und Erwartungen begleiten den Papst in sein neues Amt.

"Ich hoffe sehr, zum Fortschritt in den Beziehungen zwischen Juden und Katholiken beitragen zu können", heißt es in dem auf der Internetseite der jüdischen Gemeinde veröffentlichten Schreiben von Franziskus. Es müsse eine neue Atmosphäre der Kooperation geschaffen werden. Franziskus selbst begann den Tag nach seiner Wahl zum Papst mit einem Gebet in der römischen Basilika Santa Maria Maggiore.^

In seiner ersten Messe nach der Wahl warnte Franziskus davor, dass die katholische Kirche ohne geistliche Erneuerung eine nur barmherzige Nichtregierungsorganisation werden könnte. "Wenn wir uns nicht zu Jesus Christus bekennen, bekennen wir uns zur Diesseitigkeit des Teufels", sagte der bisherige Erzbischof von Buenos Aires in seiner auf Italienisch gehaltenen Predigt vor den 114 Wahlkardinälen in der Sixtinischen Kapelle.

Für die nächsten Tage ist der Terminkalender gut gefüllt: Am Freitag empfängt Franziskus das Kardinalskollegium, am nächsten Tag trifft er Pressesprecher und Journalisten, bevor er am Sonntag erstmals das Angelus-Gebet auf dem Petersplatz hält. Die Messe zur Amtseinführung ist für Dienstag geplant. Daran nehmen auch Merkel und Lammert teil. Franziskus' Vorgänger als Papst, Benedikt XVI., wird hingegen nicht dabei sein. Ihn will der neue Papst aber zu einem noch unbekannten Zeitpunkt besuchen.

Die Wahl von Papst Franziskus sei ein "historischer Tag", erklärte US-Präsident Barack Obama in Washington. Die Entscheidung zeuge von der "Stärke und Vitalität einer Region, die unsere Welt immer mehr beeinflusst". Merkel sagte, die Hoffnungen von "Millionen von Gläubigen in Deutschland und in der ganzen Welt" richteten sich jetzt auf den neuen Papst." Bundespräsident Joachim Gauck erklärte mit Blick auf den Namenspatron Franz von Assisi, Franziskus sei vor allem wegen seiner "Hinwendung zu den Armen und Schwachen" ein Vorbild.

Der israelische Präsident Schimon Peres lud Franziskus ein, "das heilige Land bei erster Gelegenheit zu besuchen". Er hoffte ebenso wie der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, auf eine weitere Annäherung zwischen Christen und Juden. Graumann wünschte dem Papst zudem "eine glückliche Hand und Gottes Segen" für seine Aufgaben innerhalb der Kirche.

In der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires wurde die Wahl des Landsmannes mit Jubel aufgenommen. Argentiniens Präsidentin Cristina Kirchner wünschte Franziskus eine "fruchtbare" Amtszeit.

Der bisherige Erzbischof von Buenos Aires gilt als konservativ, ist aber auch für seinen Einsatz für sozial Schwache bekannt. Die 115 Kardinäle des Konklave benötigten fünf Wahlgänge, um den Nachfolger für Benedikt XVI. mit der erforderlichen Zwei-Drittel-Mehrheit zu wählen. Am Mittwochabend um 19.05 Uhr stieg über der Sixtinischen Kapelle als Zeichen der erfolgreichen Wahl weißer Rauch auf und die Glocken des Petersdoms läuteten.

Die Gläubigen auf dem Petersplatz brachen in Jubel aus. Nach gut einer Stunde verkündete Kardinalprotodiakon Jean-Louis Tauran auf den Hauptbalkon der Peterskirche mit der traditionellen Formel "Habemus Papam" das neue Kirchenoberhaupt und den gewählten Namen. Anschließend trat der Gewählte auf den Balkon und spendete den Segen "Urbi et Orbi" ("Der Stadt und dem Erdkreis"). "Es scheint, dass die Kardinäle bis ans Ende der Welt gekommen sind, um mich zu suchen", sagte Franziskus.

"Normalerweise strebt kein Jesuit nach Ämtern und Würden in der Kirche", erklärte Stefan Kiechle, Provinzial der deutschen Jesuitenprovinz, die auch Dänemark und Schweden umfasst. "Er verweigert sich aber auch nicht, wenn er in den Dienst gerufen wird", fügte er hinzu.

Opfer von sexuellem Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche riefen Franziskus zu Reformen und zum entschlossenen Kampf gegen Missbrauch durch Priester auf. Vor allem in Lateinamerika gebe es noch viel Aufklärungsbedarf, erklärte die US-Organisation SNAP. Die Laienorganisation Wir sind Kirche forderte umfassende Reformen im Vatikan sowie in der gesamten katholischen Kirche, darunter die Gleichstellung von Männern und Frauen. Nur so könne der Einsatz für Menschenrechte und Gerechtigkeit in der Welt glaubwürdig sein.

AFP