4. April 2013, 14:18 Uhr

Neuer Regionalflughafen in Kassel eröffnet

Deutschland hat einen weiteren Regionalflughafen: Mit einer feierlichen Zeremonie wurde in Kassel ein umstrittener neuer Flughafen eröffnet.

Deutschland hat einen weiteren Regionalflughafen: Mit einer feierlichen Zeremonie wurde in Kassel ein umstrittener neuer Flughafen eröffnet. Während die hessische Landesregierung darin einen wichtigen Beitrag für die wirtschaftliche Entwicklung Nordhessens sieht, halten Kritiker den Airport wegen der Nähe zu anderen Flughäfen in der Umgebung für überflüssig.

Die Ausbaukosten für den früheren Verkehrslandeplatz in Kassel-Calden belaufen sich auf 271 Millionen Euro, von denen das Land Hessen 233 Millionen Euro trägt. Anteilseigner der Flughafen Kassel GmbH sind das Land Hessen mit 68 Prozent, die Stadt und der Landkreis Kassel mit jeweils 13 Prozent und die Gemeinde Calden mit sechs Prozent. Auf dem Flugplan stehen bislang nur wenige Verbindungen. Zudem gibt es im Umkreis, etwa im nahegelegenen Paderborn, weitere Flughäfen.

Die hessische Landesregierung verbindet dennoch große Erwartungen mit dem neuen Airport. "Nordhessen ist eine Region im Aufwind und hat heute Flügel bekommen", erklärte Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) zur Eröffnung. Der Flughafen Kassel-Calden sei "das größte Infrastrukturprojekt in der Geschichte der Region und ab sofort Hessens nördlichstes Tor zur Welt". Kommunen und Landesregierung hätten sich klar zu Kassel-Calden bekannt, und dieses Bekenntnis gelte auch für die Zukunft.

Die hessischen Grünen bezeichneten den Bau des Regionalflughafens dagegen als "überflüssig". "Rings um Kassel liegen die Flughäfen Hannover, Frankfurt und Paderborn - mit Auto und Bahn sind alle schnell erreichbar", erklärte die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Karin Müller. Der Flughafen habe 271 Millionen Euro verschlungen und werde aller Voraussicht nach über viele Jahre weiter Steuergelder benötigen, da nicht davon auszugehen sei, dass er bald schwarze Zahlen schreibe. Die schwarz-gelbe Landesregierung habe "ein Millionengrab geschaffen", zeigte sich Müller überzeugt.

Die hessische SPD stellte sich grundsätzlich hinter das Projekt, forderte aber weitere Anstrengungen. Das Land und insbesondere die nordhessische Wirtschaft seien in der Pflicht, die entstandenen Chancen auch zu realisieren, erklärte SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel. "Beton allein bedeutet noch keinen weiteren Aufschwung", mahnte Schäfer-Gümbel.

Der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände, Volker Fasbender, mahnte, der Flughafen müsse sich auf Dauer selbst tragen. Die Finanzierung des Baus und die vorübergehende Übernahme von Betriebsdefiziten mit Mitteln des Landes seien zeitlich befristet, aber gerechtfertigt.

AFP
 
 
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