Die japanische Regierung will nun auch Gebiete außerhalb der bisherigen Evakuierungszone um das havarierte Atomkraftwerk Fukushima räumen lassen.
Die japanische Regierung will nun auch Gebiete außerhalb der bisherigen Evakuierungszone um das havarierte Atomkraftwerk Fukushima räumen lassen. Betroffen seien Gegenden, in denen die gemessene Strahlenbelastung 20 Millisievert pro Jahr erreichen könnte, teilte die Regierung am Montag mit. Auf den Tag genau einen Monat nach der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe wurde Japan erneut von einem schweren Beben erschüttert.
Innerhalb eines Monats sollten die Menschen die Stadt Namie und die Orte Katsurao und Iitate vollständig räumen, sagte Regierungssprecher Yukio Edano in Tokio. Die Städte Kawamata und Minamisoma sollen teilweise evakuiert werden. Edano betonte, dass sich die Lage im Atommeiler Fukushima nicht verschlechtert habe. Die Evakuierung sei vielmehr aufgrund der möglichen gesundheitlichen Folgen einer langfristigen Strahlenbelastung beschlossen worden. Zuvor hatte Edano gesagt, dass das Risiko eines massiven Austritts von Radioaktivität aus dem beschädigten Akw "bedeutend kleiner" geworden sei.
Bislang galt ein Evakuierungsradius von 20 Kilometern um Fukushima. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA), Experten aus dem Ausland und Umweltschutzorganisationen hatten in den vergangenen Wochen jedoch bereits eine Ausweitung der Zone gefordert. Die japanische Regierung hatte diesen Schritt bislang abgelehnt. Am Montag räumte Regierungssprecher Edano ein, in einigen Gegenden außerhalb des 20-Kilometer-Radius' könnte sich mit der Zeit eine höhere radioaktive Belastung ansammeln. Diese sollten nun geräumt werden. Der Evakuierungsradius selbst werde aber nicht erweitert.
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace bezeichnete die Ankündigung der Regierung als das "Mindeste", was getan werden könne. Aber auch in den Städten Fukushima und Koriyama sei die Strahlenbelastung relativ hoch.
Am Morgen hatte Japan mit einer Schweigeminute der Opfer der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe vom 11. März gedacht. Nur kurze Zeit später wurde der Nordosten des Landes von einem neuen starken Beben erschüttert. Die US-Erdbebenwarte USGS gab die Stärke des Bebens mit zunächst 7,1, dann mit 6,6 an. Das Epizentrum lag demnach unweit vom Akw Fukushima, seine Ausläufer waren noch im 170 Kilometer entfernten Tokio zu spüren. Die Behörden gaben eine Tsunami-Warnung aus, hoben sie aber nach rund einer Stunde wieder auf. In der Stadt Ryugasaki starb nach Angaben der Nachrichtenagentur Jiji ein Mann.
Im Kernkraftwerk Fukushima fiel durch das Beben nach Angaben der Behörde für Reaktorsicherheit für etwa 50 Minuten die Stromversorgung aus, die Pumpen zur Kühlung der Reaktorblöcke 1, 2, und 3 konnten nicht arbeiten. Die Arbeiter mussten ihren Kampf gegen die Radioaktivität unterbrechen und sich in einem erdbebensicheren Gebäude in Sicherheit bringen. Vor dem Beben hatte der Präsident der Betreiberfirma Tepco, Masataka Shimizu, Fukushima besucht und sich bei seinem ersten öffentlichen Auftritt seit dem 13. März für die Folgen der Atomkatastrophe entschuldigt.
Regierungschef Naoto Kan bedankte sich für die internationale Unterstützung nach der Naturkatastrophe vom 11. März. In einem Schreiben mit dem Titel "Vielen Dank für die Bande der Freundschaft", das in mehreren großen Tageszeitungen weltweit veröffentlicht wurde, schreibt Kan, Menschen aus aller Welt hätten den Japanern in der Zeit der "Verzweiflung" Hoffnung gebracht und Mut gemacht.