Nigeria fordert von Deutschland Hilfe im Mali-Konflikt

2. November 2012, 21:43 Uhr

Nigerias Staatschef Goodluck Jonathan hat beim Besuch von Außenminister Guido Westerwelle (FDP) die Unterstützung Deutschlands und der EU im Mali-Konflikt eingefordert.

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Nigerias Staatschef Goodluck Jonathan hat beim Besuch von Außenminister Guido Westerwelle (FDP) die Unterstützung Deutschlands und der EU im Mali-Konflikt eingefordert. Der Norden Malis dürfe nicht zur "Heimstatt des Terrorismus" werden, sagte Jonathan in Abuja. Im Nordosten Nigerias sollen Regierungssoldaten im Kampf gegen die islamistischen Rebellen der Gruppe Boko Haram über 40 junge Männer hingerichtet haben.

Die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS), der Nigeria angehört, brauche die Unterstützung Deutschlands und der Europäischen Union, um den Frieden in Mali wiederherzustellen, sagte Jonathan. Westerwelle sagte, Deutschland sei "entschlossen", mit Nigeria und der ECOWAS zusammenzuarbeiten.

Nach einem Militärputsch gegen die Regierung in Bamako Ende März hatten die Islamisten-Miliz Ansar Dine und die Al-Kaida-nahe MUJAO innerhalb weniger Tage den gesamten Norden Malis unter ihre Kontrolle gebracht. Mitte Oktober hatte der UN-Sicherheitsrat die ECOWAS beauftragt, eine Militärintervention in Mali vorzubereiten. Die Bundesregierung hat der ECOWAS Unterstützung zugesagt, etwa logistischer Natur oder durch eine Ausbildungsmission der EU.

Ansar Dine strebt nach eigenen Angaben Friedensgespräche an. Delegationen seien auf dem Weg in die Hauptstädte von Burkina Faso und Algerien, sagte ein Vertrauter des Anführers von Ansar Dine der Nachrichtenagentur AFP. Weil die Mitglieder von Ansar Dine mehrheitlich aus Mali stammen, gelten sie als potenzielle Adressaten einer Verhandlungslösung.

Der Außenminister von Burkina Faso, Djibrill Bassolé, bestätigte AFP die Ankunft der Emissäre. Präsident Blaise Compaoré, der für die ECOWAS in Mali vermittelt, gilt ebenso wie die Führung Algeriens, der eine Schlüsselrolle im Mali-Konflikt zukommt, als Befürworter einer diplomatischen Lösung. Das UN-Büro in Niger warnte am Freitag, dass bei einer Militärintervention zu den derzeit 62.000 Flüchtlingen aus Mali weitere 55.000 hinzuzukommen drohten.

Der Kampf gegen islamistische Rebellen hält auch Nigeria weiter in Atem. Am Freitag töteten in der nordöstlichen Stadt Maiduguri, die als Hochburg der Islamisten-Organisation Boko Haram gilt, Unbekannte einen pensionierten Armeegeneral. Der 79-jährige Mohammed Shuwa war in Nigeria eine prominente Persönlichkeit. Vieles deutete auf eine Täterschaft von Boko Haram hin.

Am Vortag sollen Regierungssoldaten in Maiduguri über 40 junge Männer hingerichtet haben. Augenzeugen berichteten, die Armee habe die Männer in vier Vierteln zusammengetrieben und erschossen, was die Armee dementierte. Am Donnerstag hatte Amnesty International schwere Menschenrechtsverletzungen der nigerianischen Armee angeprangert.

AFP