Nordkorea hat offenbar eine zweite Mittelstreckenrakete an seine Ostküste verlegt.
Nordkorea hat offenbar eine zweite Mittelstreckenrakete an seine Ostküste verlegt. Pjöngjang habe am "Anfang der Woche" insgesamt zwei Raketen per Zug zur Küste gebracht und sie auf mobilen Abschussrampen installiert, berichtet die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf einen Regierungsvertreter in Seoul. Die USA erklärten, "alle notwendigen Vorsichtsmaßnahmen" in dem Konflikt getroffen zu haben.
Das Verteidigungsministerium in Seoul, das am Donnerstag die Verlegung einer ersten Mittelstreckenrakete bestätigt hatte, äußerte sich nicht dazu. Es soll sich um Raketen vom Typ Musudan handeln, die eine geschätzte Reichweite von rund 3000 Kilometern haben. Diese kann auf bis zu 4000 Kilometer ausgebaut werden. Damit können die Raketen theoretisch die Pazifikinsel Guam erreichen, ein Außengebiet der USA. Experten sehen Nordkorea aktuell allerdings nicht in der Lage, das US-Festland anzugreifen.
Der Norden sei "offenbar bereit, ohne Vorwarnung Raketen abzufeuern", zitierte Yonhap den südkoreanischen Vertreter. Ein Vertreter der Marine sagte Yonhap zudem, dass Südkorea zwei Abwehrsysteme vom Typ Aegis mit fortgeschrittenen Radarsystemen an die Küste entsandt habe - eines an die Ost- und eines an die Westküste. "Wenn der Norden eine Rakete abschießt, werden wir die Flugbahn verfolgen", sagte der Vertreter.
Nordkorea hatte bereits vor einem Monat mit einem Präventivschlag gegen die USA gedroht. Vergangene Woche ordnete die Armee an, Raketen für einen Angriff in Bereitschaft zu versetzen. Am Donnerstag schließlich teilte der Generalstab der nordkoreanischen Volksarmee mit, es sei nun offiziell grünes Licht für einen Atomangriff auf die USA gegeben worden.
US-Präsidentensprecher Jay Carney sagte an Bord der Präsidentenmaschine Air Force One zu den Drohungen, diese seien ein "altbekanntes Verhaltensmuster" der nordkoreanischen Führung. Die Kriegsdrohungen seien "bedauerlich, aber vertraut". Auf der rund 3400 Kilometer südöstlich von Nordkorea gelegenen Insel Guam sind 6000 US-Soldaten stationiert.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich "zutiefst besorgt" über die Verschärfung des Konflikts und rief alle Seiten zur Zurückhaltung auf. "Die nukleare Bedrohung ist kein Spiel", sagte Ban.
Unterdessen sagte der südkoreanische Vereinigungsminister Ryoo Kihl Jae, Südkorea sei bereit, seine Landsleute "zu ihrer eigenen Sicherheit" aus dem gemeinsam betriebenen Industriekomplex Kaesong abzuziehen, wenn es die Situation erfordere. Das sei derzeit aber nicht der Fall.
Die Führung in Pjöngjang hatte am Donnerstag den zweiten Tag in Folge den Zugang für Südkoreaner zu dem Komplex blockiert. Rund 600 Südkoreaner befinden sich noch in der in Nordkorea liegenden Sonderwirtschaftszone, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Am Freitag blieb der Komplex wegen eines Feiertags geschlossen. Wie die Südkoreaner aus Kaesong abgezogen werden sollten, sagte Ryoo nicht. Am Mittwoch hatte das südkoreanische Verteidigungsministerium erklärt, die Südkoreaner notfalls mit einer Militäraktion befreien zu wollen.