13. April 2012, 07:18 Uhr

Nordkoreanischer Raketenstart fehlgeschlagen

Ungeachtet internationaler Proteste hat Nordkorea wie geplant eine Langstreckenrakete abgefeuert.

Ungeachtet internationaler Proteste hat Nordkorea wie geplant eine Langstreckenrakete abgefeuert. Der Start schlug aber fehl, wie die staatliche Nachrichtenagentur KCNA erklärte. Der Beobachtungssatellit Kwangmyongsong-3 (zu Deutsch: Glänzender Stern) habe es nicht in die vorgesehene Erdumlaufbahn geschafft. Südkorea, Japan und die USA verurteilten den Raketenstart als schwere Provokation und Gefahr für die regionale Sicherheit.

"Wissenschaftler, Techniker und Experten untersuchen die Gründe für dieses Scheitern", berichtete KCNA. Die Trägerrakete sei um 07.38 Uhr und 55 Sekunden gestartet. Nach übereinstimmenden Angaben Japans, Südkoreas und der USA zerbrach die Rakete kurz nach dem Start, ihre Teile stürzten ins Meer.

Japans Verteidigungsminister Naoki Tanaka sagte, ein "fliegendes Objekt" aus Nordkorea sei offenbar nach mehr als einer Minute Flug ins Meer gestürzt. "Unser Territorium ist davon überhaupt nicht betroffen." Für den Fall, dass die Rakete in Richtung japanisches Staatsgebiet abstürzt, hatte Japan sein Raketenabwehrsystem in Stellung gebracht.

Der japanische Rundfunksender NHK berichtete unter Berufung auf einen Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums in Tokio, die Rakete sei nach dem Start in vier Teile zerbrochen und ins Gelbe Meer vor der Westküste der koreanischen Halbinsel gestürzt. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete, die Teile der Rakete seien rund 190 bis 200 Kilometer westlich der südkoreanischen Hafenstadt Kunsan ins Gelbe Meer gestürzt.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte in New York der Nachrichtenagentur AFP, bei dem Raketenstart handle es sich um einen Verstoß Nordkoreas gegen seine internationalen Verpflichtungen, der die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel weiter verschärfen werde. Nötig sei jetzt eine starke Reaktion des UN-Sicherheitsrates auf diesen Verstoß gegen internationales Recht. Der UN-Sicherheitsrat soll noch heute in einer Dringlichkeitssitzung über den Raketenstart beraten.

"Nordkorea isoliert sich mit seinen provokativen Akten nur weiter und verschwendet sein Geld für Waffen und Propaganda, während die Menschen in Nordkorea hungern", erklärte der Sprecher von US-Präsident Barack Obama, Jay Carney. Der Raketenstart sei zwar gescheitert; er habe dennoch die Sicherheit in der Region bedroht und internationales Recht verletzt.

Südkoreas Außenminister Kim Sung Hwan sprach ebenfalls von einem "provokativen Akt", der Frieden und Sicherheit gefährde. Der Sprecher der japanischen Regierung, Osamu Fujimura, sprach von einer "schweren Provokation" und einem Verstoß gegen Resolutionen des UN-Sicherheitsrates.

Die Außenminister der sieben wichtigsten Industrienationen und Russlands (G-8), die sich zuvor in Washington getroffen hatten, erklärten in einer gemeinsamen Stellungnahme, sie würden im UN-Sicherheitsrat "angemessene Maßnahmen" auf den Raketenstart treffen.

Das Geschoss vom Typ Unha-3 sollte nach nordkoreanischen Angaben den Beobachtungssatelliten Kwangmyongsong-3 (zu Deutsch: Glänzender Stern) ins All bringen. Während der Satellit nach offizieller Darstellung Daten über Wälder und Ressourcen in Nordkorea sammeln sollte, vermuteten die USA und mehrere ihrer Verbündeten hinter dem Raketenstart einen unzulässigen Raketentest für das nordkoreanische Atomprogramm.

Nach Angaben des Nordamerikanischen Luftraumüberwachungskommandos (NORAD) handelte sich bei der Rakete um eine ballistische Interkontinentalrakete vom Typ Taepodong-2, die eine Reichweite von bis zu 9000 Kilometern hat. Weder die Rakete noch ihre abstürzenden Einzelteile hätten zu irgendeinem Moment eine Gefahr dargestellt. Es seien keine Reste der Rakete auf Land aufgeschlagen.

AFP