CHRONOLOGIE: NSU-Verbrechen und Skandale bei Behörden

8. November 2012, 17:08 Uhr

Die Blutspur des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) zieht sich quer durch Deutschland: Zehn Morde, zwei Sprengstoffanschläge und eine Serie von Banküberfällen werden der Neonazi-Zelle zur Last gelegt.

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Die Blutspur des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) zieht sich quer durch Deutschland: Zehn Morde, zwei Sprengstoffanschläge und eine Serie von Banküberfällen werden der Neonazi-Zelle zur Last gelegt. Gut ein Jahr nach Aufdeckung der Terrorgruppe erhob die Bundesanwaltschaft jetzt Anklage.

Anfang 1998: Die Neonazis Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe tauchen unter, nachdem die Polizei in Jena deren Bombenlabor ausgehoben hat. Im selben Jahr gründet das Trio den NSU.

9. September 2000: Erstes NSU-Opfer wird der türkischstämmige Blumenhändler Enver S. (38) in Nürnberg. Er stirbt durch Schüsse aus einer Ceska-Pistole, die auch bei den nächsten acht Morden an Migranten verwendet wird.

19. Januar 2001: Sprengstoffanschlag des NSU auf ein Lebensmittelgeschäft in Köln. Eine 19-jährige Deutsch-Iranerin wird schwer verletzt.

13. Juni 2001: In Nürnberg wird der Schneider Abdurrahim Ö. (49) mit der Ceska erschossen. Am 27. Juni 2001 stirbt in Hamburg der Gemüsehändler Süleyman T. (31), am 29. August 2001 in München der Händler Habil K. (38). Am 25. Februar 2004 wird in Rostock der Imbiss-Verkäufer Yunus T. (25) ermordet.

9. Juni 2004: Bei einem NSU-Bombenanschlag in der überwiegend von Türken bewohnten Kölner Keupstraße werden 22 Menschen verletzt.

9. Juni 2005: Der Imbissbuden-Besitzer Ismail Y. (50) wird in Nürnberg das sechste Opfer des NSU. Am 15. Juni 2005 wird in München Theodoros B. (41) erschossen, am 4. April 2006 in Dortmund der Kioskbetreiber Mehmet K. (39). Der letzte Ceska-Mord geschieht am 6. April 2006 in Kassel, wo Halit Y. (21) in seinem Internet-Café stirbt. Weiterhin sehen die Ermittler keine Rechtsextremen hinter der Mordserie.

25. April 2007: Der zehnte NSU-Mord - die Polizistin Michèle K. (22) wird auf einem Parkplatz in Heilbronn erschossen.

4. November 2011: Mundlos und Böhnhardt werden nach einem gescheiterten Sparkassen-Überfall in Eisenach erschossen in einem Wohnmobil gefunden. Dabei entdecken Beamte die Dienstwaffe der ermordeten Polizistin K. Am selben Tag steckt Zschäpe die Zwickauer Wohnung des Trios in Brand. In den Trümmern wird später die Ceska gefunden.

8. November 2011: Zschäpe stellt sich in Jena der Polizei.

13. November 2011: Mit Holger G. wird der erste von insgesamt fünf Männern festgenommen, die dem NSU geholfen haben sollen. Vier kommen im Frühjahr 2012 wieder frei - neben G. sind dies Andre E., Matthias D. und Carsten S. Der am 29. November 2011 festgenommene Ex-NPD-Funktionär Ralf Wohlleben bleibt hingegen bis heute in U-Haft.

9. Dezember 2011: Die Innenminister plädieren dafür, ein neues NPD-Verbotsverfahren voranzutreiben.

27. Januar 2012: Der NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestags nimmt seine Arbeit auf. Später werden U-Ausschüsse auch in Thüringen, Sachsen und Bayern eingerichtet.

23. Februar 2012: Bei der offiziellen Gedenkfeier für die NSU-Opfer in Berlin sichert Kanzlerin Angela Merkel (CDU) den Hinterbliebenen umfassende Aufklärung zu.

27. Juni 2012: Die Affäre um die Vernichtung von Akten zu Rechtsextremen wird bekannt. Ein Referatsleiter beim Bundesverfassungsschutz hatte im November 2011 Ordner mit Informationen über thüringische Rechte schreddern lassen.

2. Juli 2012: Wegen der Aktenvernichtung kündigt der Präsident des Bundesverfassungsschutzes, Heinz Fromm, seinen Rückzug an. Tags darauf nimmt Thüringens Verfassungsschutzchef Thomas Sippel wegen NSU-Ermittlungspannen den Hut. Noch im Juli scheidet auch der Dresdner Verfassungsschutzleiter Reinhard Boos aus dem Amt, im September sein Magdeburger Amtskollege Volker Limburg.

8. November 2012: Nach einem Jahr Ermittlungen im NSU-Komplex erhebt die Bundesanwaltschaft Anklage vor dem Oberlandesgericht München. In dem Prozess sollen neben Zschäpe auch Wohlleben, Carsten S., André E. und Holger G. auf der Anklagebank sitzen.

AFP