Abgeordnete aus mehreren Europaratsländern haben eine internationale Untersuchung zum mutmaßlichen illegalen Organhandel im Kosovo gefordert.
Abgeordnete aus mehreren Europaratsländern haben eine internationale Untersuchung zum mutmaßlichen illegalen Organhandel im Kosovo gefordert. Hinweise für solche Vorgänge gebe es in zahlreichen Polizeiberichten und Untersuchungen von Kriminologen, sagte der Berichterstatter der Parlamentarischen Versammlung des Europarats, der Schweizer Liberale und ehemalige Staatsanwalt Dick Marty, am Dienstag in Straßburg.
Auch die frühere UN-Chefanklägerin des Kriegsverbrecher-Tribunals für Ex-Jugoslawien in Den Haag, Carla del Ponte, habe auf diese Vorgänge während des Kosovo-Kriegs Ende der 90er Jahre hingewiesen, sagte Marty weiter. "Diese Anschuldigungen gibt es seit vielen Jahren, doch nichts ist passiert." Marty rechtfertigte, dass in seinem Bericht von Verwicklungen des erst kürzlich wiedergewählten Regierungschef des Kosovo, Hashim Thaci, die Rede ist. Dessen Name und der anderer führender Mitglieder der früheren kosovarischen Befreiungsarmee UCK tauche in mehrere Polizeiberichten auf.
Er habe Namen genannt, damit nicht das gesamte kosovarische Volk verdächtigt werde, sagte der Schweizer Liberale. "Man muss die Dinge beim Namen nennen." Sein Bericht richte sich weder gegen die Kosovaren noch gegen die Serben. Auf keinen Fall solle er die Verbrechen des früheren serbischen Machthabers Slobodan Milosevic rechtfertigen, betonte Marty.
Dem Bericht zufolge ließen damalige UCK-Führer in der Zeit von 1998 bis 2000 Organe von Gefangenen entnehmen und auf dem internationalen Schwarzmarkt verkaufen. Die Opfer waren demnach Serben oder Kosovaren, die als "Verräter" galten. Es gebe Beweise dafür, dass die UCK die Gefangenen im Norden Albaniens in geheimen Gefängnissen "unmenschlicher und erniedrigender Behandlung" ausgesetzt habe. Anschließend seien die Gequälten verschwunden.
Abgeordnete unterschiedlicher politischer Couleur aus mehreren Europaratsländern forderten eine unabhängige internationale Untersuchung. Daran sollten neben der EU-Mission im Kosovo (EULEX) auch die Behörden des Kosovo teilnehmen, heißt es in einer Entschließung, die am Nachmittag verabschiedet werden sollte.