Paralympics-Gewinner Pistorius des Mordes beschuldigt

14. Februar 2013, 14:23 Uhr

Der südafrikanische Paralympics-Gewinner Oscar Pistorius ist unter Mordverdacht festgenommen worden.

0 Bewertungen

Der südafrikanische Paralympics-Gewinner Oscar Pistorius ist unter Mordverdacht festgenommen worden. Dem 26-jährigen Sprinter werde zur Last gelegt, seine Freundin in seinem Haus in einem Vorort von Pretoria ermordet zu haben, teilte die Polizei mit. Zuvor hatte es in einem Zeitungsbericht geheißen, Pistorius habe das Model Reeva Steenkamp offenbar für einen Einbrecher gehalten und daher geschossen.

Pistorius ist laut Polizei der einzige Verdächtige in dem Fall. Er soll am Freitag einem Richter vorgeführt werden. Zunächst müssten noch Blutproben des Beschuldigten genommen werden, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Zuvor hatte eine Polizeisprecherin bereits deutlich gemacht, dass der Sportler nicht auf eine baldige Freilassung hoffen könne. Die Staatsanwaltschaft werde sich gegen eine Freilassung auf Kaution wenden, weil es bereits in der Vergangenheit Berichte über "Familienstreitigkeiten im Haus des Beschuldigten" gegeben habe, sagte Denise Beukes dem Fernsehsender eNCA.

Der Vater des Sportlers, Henke Pistorius, zeigte sich "schockiert" über den Vorfall. Er sagte der Nachrichtenagentur AFP: "Der einzige, der uns sagen kann, was passiert ist, ist Oscar selbst."

In einem Bericht der Zeitung "Beeld" hatte es geheißen, Pistorius habe seine Freundin offenbar für einen Einbrecher gehalten und daher auf sie geschossen. Der Vorfall ereignete sich am frühen Morgen des Valentinstags in seinem Haus in Pretorias Nobel-Vorort Silverlakes. Die 30-jährige Steenkamp wurde von vier Schüssen in Kopf und Arm getroffen und starb am Tatort. Sie war erst im November erstmals öffentlich als seine Freundin in Erscheinung getreten.

Zwei Tage vor dem tragischen Vorfall hatte Steenkamp im Internet-Kurznachrichtendienst Twitter angedeutet, ihren Freund zum Valentinstag überraschen zu wollen. Sarit Tomlins von Steenkamps Agentur erklärte, das Model sei "das netteste, süßeste menschliche Wesen" gewesen - "ein Engel auf Erden".

In der Vergangenheit hatte Pistorius offen darüber gesprochen, eine Waffe zu besitzen und gelegentlich mit einer Neun-Millimeter-Pistole auf einem Schießstand zu trainieren. Einem Reporter der "New York Times" erzählte Pistorius im vergangenen Jahr, wie er mit einer Waffe durch sein Haus gegangen sei, als die Alarmanlage irrtümlich losgegangen war. Südafrika hat eine der höchsten Kriminalitätsraten der Welt, viele Menschen haben daher Schusswaffen zuhause.

Pistorius hatte im vergangenen Jahr Geschichte geschrieben, als er als erster beidseitig beinamputierter Sportler an den Olympischen Spielen teilnahm. In London lief der Sprinter bis ins Halbfinale über 400 Meter, wo er als achter ausschied. Zudem zog Pistorius, der wegen seiner Hightech-Prothesen als "Blade Runner" bekannt ist, mit dem südafrikanischen Team in das Finale der Staffel über 4x400 Meter ein.

Dem in Johannesburg geborenen Leichtathleten waren mit elf Monaten infolge eines Gendefekts beide Unterschenkel amputiert worden. Dennoch betrieb er in seiner Jugend Leistungssport. Bei den jüngsten drei paralympischen Spielen gewann er insgesamt sechs Goldmedaillen, weitere Titel errang er bei internationalen Meisterschaften. Noch am Dienstag schrieb Pistorius via Twitter, wie sehr er sich auf den Start der Leichtathletik-Saison freue: "Noch einen Monat bis zu meinen ersten Rennen 2013. Kann es kaum erwarten."

AFP