Paralympics-Gewinner Pistorius wegen Mordes angeklagt

14. Februar 2013, 16:43 Uhr

Der südafrikanische Paralympics-Gewinner Oscar Pistorius ist nach einem tödlichen Drama wegen Mordes an seiner Freundin Reeva Steenkamp angeklagt worden.

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Der südafrikanische Paralympics-Gewinner Oscar Pistorius ist nach einem tödlichen Drama wegen Mordes an seiner Freundin Reeva Steenkamp angeklagt worden. Der Sprinter hat das 30 Jahre alte Model am frühen Morgen in seinem Haus in Silver Lakes am Rande der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria erschossen. Laut Medienberichten habe er sie für einen Einbrecher gehalten. Die Polizei wies allerdings darauf hin, dass diese Mutmaßung nicht von ihr stamme.

Das Opfer starb nach offiziellen Angaben an einem Kopfschuss und wurde darüber hinaus mehrfach in Hand und Arm getroffen. Die Tatwaffe war auf Pistorius zugelassen. Der französischen Nachrichtenagentur AFP bestätigte Pistorius' Vater Henke die Tragödie: "Wir stehen unter Schock. Wir haben zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht viele Informationen. Die einzige Person, die genau sagen kann, was passiert ist, ist Oscar selbst."

Wie die Polizei auf einer Pressekonferenz in Pretoria mitteilte, werde Oscar Pistorius nicht gegen eine von ihm selbst angebotene Kaution auf freien Fuß gesetzt. Sie berichtete zudem, es habe in der Vergangenheit schon mehrmals Fälle von Gewalt im Haus von Oscar Pistorius gegeben.

Mit Reeva Steenkamp war der vier Jahre jüngere Pistorius seit einem Jahr zusammen. Das blonde Model, im vergangenen Jahr Cover-Girl eines britischen Männer-Magazins, habe ihren Freund laut eines Berichts der südafrikanischen Zeitung "Beeld" anlässlich des Valentintages überraschen wollen. Steenkamps Model-Agentur bestätigte, dass es sich bei der Toten um ihre Klientin handele.

Oscar Pistorius, der im vergangenen Sommer in London als erster amputierter Athlet an Olympischen Spielen teilgenommen hatte, wurde nach seiner Festnahme von der örtlichen Polizei des Distrikts Silverwood vier Stunden lang vernommen und sollte nach einer medizinischen Untersuchung dem Haftrichter vorgeführt werden. Dies wurde nach Angaben des zuständigen Staatsanwaltes schließlich auf Freitag verschoben.

Am Morgen der Tat wurden in der Nachbarschaft Zeugenaussagen durchgeführt. Gerüchte, wonach es vor den tödlichen Schüssen Schreie im Haus gegeben habe, bestätigte eine Polizeisprecherin nicht. Südafrika gehört zu den Ländern mit der weltweit höchsten Kriminalitätsrate. Es ist üblich, dass Hausbesitzer Waffen haben, um sich vor Überfällen zu schützen.

Polizeisprecherin Katlego Mogale erklärte, dass "ein 26 Jahre alter Mann festgenommen wurde, weil er eine 30 Jahre alte Frau erschossen hat". Gegen 4.00 Uhr morgens habe die Polizei einen Anruf erhalten. Zur Tat sagte die Sprecherin: "Das Opfer wurde viermal getroffen und starb noch am Tatort. Es wurde eine 9-mm-Pistole sichergestellt." Ein anderer Polizeibeamter teilte mit, Pistorius sei "traumatisiert, weil er eine Person verloren hat, die ihm sehr nahe stand".

Oscar Pistorius ist der Star unter den Behindertensportlern. Er wurde im vergangenen Jahr vom Magazin Time sogar in die Top 100 der einflussreichsten Menschen weltweit aufgenommen. Bei der berühmten Wahl zum "Sexiest Man Alive" des US-Magazins People landete er in den Top 10. Von seiner großen Fangemeinde bekam Pistorius am Donnerstag auf seiner Facebook-Seite großen Zuspruch. Im Internet wurde spontan eine Gedenkseite für Reeva Steenkamp eingerichtet.

Im Alter von elf Monaten wurden Pistorius beide Beine unterhalb der Knie amputiert. Er läuft auf High-Tech-Karbonstelzen. Pistorius wollte bereits bei Olympia in Peking 2008 antreten, erhielt aber vom Leichtathletik-Weltverband IAAF keine Starterlaubnis. Die IAAF sah in den Wunderstelzen einen unzulässigen Wettbewerbsvorteil.

AFP