Pokal-Aus für Dresden - "Dieser Stachel sitzt tief"

14. Mai 2013, 20:03 Uhr

Und wieder keine Gnade für Dynamo Dresden: Auch die dritte sportrechtliche Instanz hat den Ausschluss des Fußball-Zweitligisten aus dem DFB-Pokal 2013/14 bestätigt.

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Und wieder keine Gnade für Dynamo Dresden: Auch die dritte sportrechtliche Instanz hat den Ausschluss des Fußball-Zweitligisten aus dem DFB-Pokal 2013/14 bestätigt. Das Ständige Schiedsgericht für Vereine und Kapitalgesellschaften der Lizenzligen fällte seine Entscheidung auf einer nichtöffentlichen Sitzung in Frankfurt am Main. Der Verein, dessen Anhänger wiederholt durch Krawalle aufgefallen waren, reagierte zutiefst enttäuscht - und behält sich den Gang vor ein ordentliches Gericht vor.

"Uns wurde eigentlich bescheinigt, dass wir nichts falsch gemacht hätten. Umso tiefer sitzt dieser Stachel jetzt", sagte Präsident Andreas Ritter dem SID. Sportrechtlich sei nun "alles ausgeschöpft", ob Dynamo weitere Schritte unternimmt, soll in den kommenden Tagen entschieden werden.

Auch finanziell war es "ein schwarzer Tag für Dynamo", wie Ritter sagte. 125.000 Euro Antrittsgeld plus Zuschauereinnahmen seien allein aus der ersten Pokalrunde zu erwarten gewesen. Immer noch fühlt sich der Verein ungerecht behandelt: "Das Problem ist, dass die Vereine beim DFB für ihre Anhänger haften - doch die Krux ist, dass wir diesen Teil der Anhänger nicht erreichen können."

Die Sachsen sind der erste Klub, der zur Höchststrafe verurteilt ist. Vor dem Gang vor das Schiedsgericht hatte der derzeit akut abstiegsbedrohte Klub beim Bundesgericht erfolglos Einspruch gegen das Urteil des DFB-Sportgerichts vom 10. Dezember eingelegt.

Das dreiköpfige Schiedsgericht erklärte den Ausschluss für rechtmäßig. "Die den Verein treffende harte Maßnahme ist nach Auffassung der Verbandsgerichte geeignet, erforderlich und angemessen. Diese Einschätzung liegt im Beurteilungsspielraum dieser Gerichte. Das Schiedsgericht war der Auffassung, dass dieser Beurteilungsspielraum durch die Verbandsgerichte nicht überschritten wurde", sagte der Vorsitzende Prof. Dr. Udo Steiner.

Die Vorschrift des Paragraphen 9a der Rechts- und Verfahrensordnung des DFB, der "das schuldhafte Verhalten der Anhänger dem jeweiligen Verein zurechnet", sei rechtlich nicht zu beanstanden, soweit die Vorschrift Grundlage für Maßnahmen des Verbandes ist, bei denen "der präventive Charakter überwiegt oder dominiert". Der Ausschluss von Dresden sei eine solche Maßnahme, bei der die Vorbeugung von Störungen des Spielbetriebs im Vordergrund stehe.

Rainer Koch, der für Rechtsfragen zuständige DFB-Vize, erklärte, die Entscheidung habe "weitreichende grundsätzliche Bedeutung. Sie klärt endgültig seit Jahren streitige Rechtsfragen und bestätigt ohne Wenn und Aber die Auffassung des DFB, dass zum Schutz des Wettbewerbs spezifische Zurechnungs- und Haftungsregeln erlassen werden dürfen."

Besonders wichtig sei für den DFB, dass die Rechtsprechung seiner Sportgerichte "in vollständiger Übereinstimmung mit der Rechtsprechungspraxis des Internationalen Sportgerichtshofs CAS steht".

Zuletzt hatte die DFB-Spitze Verständnis für Dynamos Kampf gegen die Pokalsperre gezeigt. "Es ist absolut in Ordnung, es ist absolut ihr gutes Recht", sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach bei der 60-Jahr-Feier des achtmaligen DDR-Meisters. "Es dürfe aber nicht sein, dass "einige wenige Fans den Ruf des Vereins immer wieder in den Dreck ziehen".

Dresden wurde wegen schwerer Ausschreitungen am Rande des Pokalspiels bei Hannover 96 im Oktober 2012 bestraft. Insgesamt waren neun Personen verletzt worden.

AFP