In der Stichwahl um die Präsidentschaft in Haiti stehen sich die frühere First Lady Mirlande Manigat und der populäre Sänger Michel Martelly gegenüber. Der Regierungskandidat Jude Célestin ist damit aus dem Rennen.
In der Stichwahl um die Präsidentschaft in Haiti stehen sich die frühere First Lady Mirlande Manigat und der populäre Sänger Michel Martelly gegenüber. Das gab die Wahlkommission in der Hauptstadt Port-au-Prince am Donnerstag nach einer mehr als zweimonatigen Prüfung des Ergebnisses der ersten Abstimmungsrunde bekannt. Der Regierungskandidat Jude Célestin ist damit aus dem Rennen.
Die Stichwahl ist für den 20. März angesetzt, ihr Ergebnis soll am 16. April verkündet werden. Die erste Runde der Wahl hatte am 28. November stattgefunden, doch wurde das offizielle Ergebnis erst jetzt bekannt gegeben, weil es massiven Streit um darüber gegeben hatte. Nach ersten Angaben hatte sich Célestin als Zweitplatzierter für die Stichwahl gegen Manigat qualifiziert. Die Opposition warf der Regierung jedoch Wahlbetrug vor, den die Organisation Amerikanischer Staaten später bestätigte.
Nach internationalem Druck erklärte die Regierungspartei Inité Ende Januar, Célestin werde in der Stichwahl nicht antreten. Am Donnerstag zeigte sie sich zudem bereit, die Entscheidung der Wahlkommission anzuerkennen. Es herrsche zwar die Meinung vor, dass Célestin in der Stichwahl antreten müsse, sagte ein führender Parteivertreter. "Um Wirtschaftssanktionen zu vermeiden und den sozialen Frieden zu stärken", ziehe er sich aber zurück.
Die ersten Ergebnisse des ersten Wahlgangs hatten teils gewalttätige Proteste ausgelöst, bei denen mindestens fünf Menschen starben. Auch nach der Verkündung des Ergebnisses befürchteten die in Haiti stationierten Soldaten der Vereinten Nationen nun Ausschreitungen. In der Hauptstadt verstärkten sie am Donnerstag ihre Präsenz und sicherten zentrale Plätze, wie ein Vertreter der UN-Mission der Nachrichtenagentur AFP sagte. Die Lage blieb jedoch zunächst ruhig, die Straßen menschenleer.
Die politische Hängepartie hatte die humanitäre Krise in dem ärmsten Land der westlichen Welt zusätzlich verschärft. Im Januar 2010 war Haiti von einem schweren Erdbeben erschüttert worden, durch das mehr als 220.000 Menschen ums Leben kamen. Von den 1,3 Millionen Menschen, die ihr Dach über dem Kopf verloren, müssen weiterhin viele in Notunterkünften ausharren. Im Oktober brach zudem die Cholera aus, der bisher mehr als 4000 Haitianer zum Opfer fielen.
Sorgen bereitete dem Karibikstaat zuletzt auch die Rückkehr des früheren Diktators Jean-Claude Duvalier alias "Baby Doc", der das Land in den 1970er und 1980er Jahren mit harter Hand regiert hatte. Gegen Duvalier laufen in Haiti nun Ermittlungen wegen Korruption und Veruntreuung, außerdem wird er Verbrechen gegen die Menschlichkeit beschuldigt. Die Schweiz setzte am Mittwoch ein Verfahren in Gang, um dort angelegte Gelder Duvaliers an Haiti auszuzahlen.