Praktiker ist pleite

11. Juli 2013, 19:18 Uhr

Nach langem Ringen um eine Rettung der finanziell angeschlagenen Baumarktkette Praktiker hat diese Insolvenz angemeldet.

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Nach langem Ringen um eine Rettung der finanziell angeschlagenen Baumarktkette Praktiker hat diese Insolvenz angemeldet. Die drittgrößte Baumarktkette Deutschlands reichte den Insolvenzantrag beim Amtsgericht Hamburg wegen Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit ein, wie das Unternehmen mitteilte. Die Baumarktkette Hagebau bekundete Interesse an der Übernahme eines Teils der Praktiker-Märkte.

Der Insolvenzantrag gilt zunächst für acht Tochtergesellschaften. Für die Dachgesellschaft Praktiker AG soll er nachgereicht werden. Betroffen von der Insolvenz seien die Baumärkte der Marken Praktiker und Extra Bau+Hobby, teilte der Konzern mit. Demnach gilt der Insolvenzantrag aber nicht für die Kette Max Bahr, die ebenfalls zum Praktiker-Konzern gehört, sowie für die ausländischen Praktiker-Gesellschaften. Praktiker ist unter anderem in Polen, der Ukraine, Ungarn und der Türkei aktiv.

Der Geschäftsbetrieb der Filialen von Praktiker und Extra Bau+Hobby soll den Angaben zufolge "uneingeschränkt fortgeführt werden". Ziel des Insolvenzverfahrens sei es, ein neues Sanierungskonzept zu erstellen. Praktiker stellte den Insolvenzantrag, nachdem am Mittwochabend Gespräche über die Sanierung und Finanzierung der Kette gescheitert waren. Nach Angaben des Konzerns verweigerten Gläubiger die Zustimmung für das vorgelegte Finanzierungskonzept.

Praktiker betreibt mit allen seinen Marken in verschiedenen Ländern über 400 Baumärkte, mehr als 300 davon auf dem Heimatmarkt. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete das Unternehmen, das seit 2005 an der Börse ist, nach eigenen Angaben einen Umsatz von drei Milliarden Euro. Bei den von der Insolvenz betroffenen Firmenteilen in Deutschland arbeiteten im ersten Quartal nach Konzernangaben 6500 Menschen. Weitere 5100 waren demnach bei Max Bahr beschäftigt und 7000 im Ausland.

Die Gewerkschaft Verdi erklärte, mit dem bevorstehenden Insolvenzverfahren drohe vielen Mitarbeitern der Verlust des Arbeitsplatzes. Sie wertete die Pleite als "menschliche und existenzielle Tragödie" für die Betroffenen. Praktiker beantragte ein sogenanntes Regelinsolvenzverfahren. Verdi hatte dagegen eine "Insolvenz in Eigenverantwortung" gefordert, da dies die Möglichkeit biete, "viele Arbeitsplätze zu retten". Wirtschaftlich profitable Filialen könnten dann erhalten bleiben. Bei einer Insolvenz im Regelverfahren hingegen drohe die Zerschlagung.

Die Baumarktkette Hagebau, die selbst mehr als 300 Baumärkte betreibt, äußerte Interesse an der Übernahme eines Teils der Praktiker-Filialen. "Wir haben grundsätzlich Interesse und trauen uns da einiges zu", sagte der Hagebau-Geschäftsführer Heribert Gondert Handelsblatt Online. An wie vielen Filialen er interessiert ist, wollte Gondert nicht sagen. Zuvor hatte bereits die Baumarktkette Obi Interesse an einzelnen Praktiker-Filialen bekundet.

Die österreichische Großaktionärin Isabella de Krassny äußerte die Hoffnung auf eine Rettung. "Wenn jetzt alle Beteiligten an einem Strang ziehen, lässt sich Praktiker auch in der Insolvenz sanieren", sagte de Krassny dem Magazin "Wirtschaftswoche". Es sei davon auszugehen, dass rund 80 defizitäre Praktiker-Filialen geschlossen werden müssten, sagte de Krassny. Zudem müsse frisches Geld im Volumen von mindestens 40 Millionen Euro eingesammelt werden.

AFP