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8. Februar 2011, 04:34 Uhr

Russland weist Journalist des britischen "Guardian" aus

Die Briten sind empört: Die russischen Behörden haben dem Moskauer Korrespondenten des "Guardian" die Wiedereinreise verwehrt. Der britische Außenminister verlangt Aufklärung, Moskau schweigt.

Russland hat einen Journalisten der britischen Zeitung "The Guardian" ausgewiesen. Wie die Zeitung am Montag mitteilte, wurde ihr Russland-Korrespondent Luke Harding am Wochenende an der Einreise gehindert, als er nach zwei Monaten in London wieder nach Moskau zurückkehren wollte. Harding hatte den Angaben zufolge zwei Monate in London verbracht, um über die von der Internetplattform Wikileaks veröffentlichten US-Dokumente zu berichten. Dabei zitierte er auch aus Dokumenten, in denen es um angebliche Verbindungen zwischen russischen Regierungsvertretern, Oligarchen und dem organisierten Verbrechen geht. Ein spanischer Staatsanwalt wird mit den Worten zitiert, Russland sei ein "Mafiastaat" geworden.

Der britische Außenminister William Hague rief nach Angaben seines Ministeriums das russische Außenministerium an und bat um eine Erklärung. Er habe aber noch keine Antwort erhalten, hieß es.

Laut "Guardian" wurde Harding nach der Passkontrolle eine Dreiviertelstunde in eine Zelle am Moskauer Flughafen gesperrt, bevor er mit dem nächsten Flug nach Großbritannien zurückgeschickt wurde. Dem Journalisten seien keine Gründe für die Ausweisung genannt worden. Er sei "traurig", das Land "unter diesen Umständen zu verlassen", zitierte die Zeitung Harding. "Aber ich denke nicht, dass Journalisten eine Selbstzensur akzeptieren dürfen". "Guardian"-Chefredakteur Alan Rusbridger sprach von einer "verstörenden Entwicklung". Es sei "beunruhigend", dass die russische Regierung nun missliebige Reporter ausweise.

Harding war laut "Guardian" wiederholt wegen seiner Berichte von den russischen Behörden schikaniert und bei einer Reise in die Konfliktregion Nordkaukasus im April 2010 auch kurz festgehalten worden. In der Vergangenheit hatte er auch in Gesprächen mit der Nachrichtenagentur dpa über Verhöre durch den FSB sowie geheime Besuche in seiner Moskauer Wohnung geklagt. Sein bis Mai gültiges Visum sollte nicht verlängert werden.

Seit dem Mord an dem Kreml-Kritiker Alexander Litwinenko in London sind die Beziehungen zwischen Russland und Großbritannien angespannt. Der Ex-Geheimdienstler war 2006 mit radioaktivem Polonium 210 vergiftet worden.

1989 hatte Moskau den Journalisten Angus Roxburgh von der "Sunday Times" ausgewiesen, nachdem London elf russische Spione nach Hause geschickt hatte.

AFP/DPA
 
 
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