Putin verleiht Depardieu russische Staatsbürgerschaft

3. Januar 2013, 17:13 Uhr

Paukenschlag im erbittert geführten Streit um die Steuerflucht des französischen Filmstars Gérard Depardieu: Russlands Präsident Wladimir Putin hat dem Schauspieler per Dekret die russische Staatsbürgerschaft verliehen, wie der Kreml in Moskau erklärte.

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Paukenschlag im erbittert geführten Streit um die Steuerflucht des französischen Filmstars Gérard Depardieu: Russlands Präsident Wladimir Putin hat dem Schauspieler per Dekret die russische Staatsbürgerschaft verliehen, wie der Kreml in Moskau erklärte. Depardieu will wegen der hohen Steuern Frankreich verlassen und hat damit den Zorn der regierenden Sozialisten auf sich gezogen.

In einer kurzen Erklärung des Kreml wird auf einen Verfassungsartikel verwiesen, der dem russischen Staatschef des Recht einräumt, Ausländern die russische Staatsbürgerschaft zu verleihen. Ein solcher Schritt ist aber sehr selten. Ein Sprecher Putins sagte der Nachrichtenagentur Interfax, die Verleihung der Staatsbürgerschaft an Depardieu sei durch dessen "wichtigen Beitrag" für die "nationale Kultur und das Kino" Russlands motiviert.

Depardieu hat sich in Filmen wie "Die letzte Metro", "Cyrano de Bergerac" und "Green Card" Weltruhm erspielt; 2011 verkörperte er in einer französisch-russischen Produktion den Wunderheiler Rasputin. Bekannt ist der 64-Jährige auch für seine Rolle des Obelix in mehreren "Asterix"-Streifen. Depardieu äußerte er sich zunächst nicht dazu, ob er die Staatsbürgerschaft tatsächlich annehmen und womöglich nach Russland ziehen will.

Depardieus Steuerflucht aus Frankreich sorgt seit einem Monat für erhitzte Gemüter: Anfang Dezember wurde bekannt, dass der Schauspieler und erfolgreiche Geschäftsmann sich ein Haus in Belgien gekauft hat, wo tausende wohlhabende Franzosen weniger Steuern zahlen als in ihrer Heimat. Auf die Kritik des sozialistischen Regierungschefs Jean-Marc Ayrault, der die Steuerflucht als "ziemlich erbärmlich" bezeichnete, kündigte Depardieu verärgert an, seine französische Staatsbürgerschaft abgeben zu wollen. Dies ist möglich, wenn er Bürger eines anderen Landes wird.

Putin hatte Depardieu bereits vor zwei Wochen die russische Staatsbürgerschaft angeboten: "Wenn Gérard wirklich eine Aufenthaltsgenehmigung in Russland oder einen russischen Pass will, können wir diese Angelegenheit als positiv entschieden ansehen", sagte Putin am 20. Dezember zu Journalisten. Regierungschef Dmitri Medwedew legte nur einen Tag später nach: "Depardieu soll kommen. Bei uns liegt die Einkommenssteuer bei 13 Prozent, und wir werden das nicht ändern."

Die seit Mai in Frankreich regierenden Sozialisten haben umfangreiche Steuererhöhungen für Besserverdiener und große Unternehmen beschlossen, um den Staatshaushalt zu sanieren. Die besonders umstrittene Reichensteuer von 75 Prozent auf Einkommen über eine Million Euro wurde inzwischen zwar vom Verfassungsrat des Landes kassiert; die Regierung will diese Reichensteuer aber überarbeiten und dann trotzdem einführen. Depardieu selbst hatte erst am Sonntag bekräftigt, das vorläufige Aus für die Reichensteuer ändere "überhaupt nichts" an seinen Abwanderungsplänen.

Frankreichs Regierungssprecherin Najat Vallaud-Belkacem wollte die Verleihung der russischen Staatsbürgerschaft an Depardieu nicht kommentieren. Putin habe eines seiner "Rechte" als Präsident in Anspruch genommen, mehr gebe es dazu nicht zu sagen.

Der französische Philosoph André Glucksmann kritisierte Depardieu scharf. "Ich schäme mich für ihn", sagte Glucksmann dem "Tagesspiegel". Mit Blick auf einen Besuch Depardieus bei dem wegen mutmaßlicher Menschenrechtsverletzungen in der Kritik stehenden tschetschenischen Machthaber Ramsan Kadyrow sagte der Philosoph, Depardieu erhalte "Geld vom obersten Folterer Tschetscheniens, und jetzt bekommt er auch noch auf die außergewöhnliche Anweisung Putins hin einen Pass".

Depardieu ist in Russland enorm populär, auf Filmfestivals ist er als Jury-Mitglied ein gern gesehener Gast. Immer wieder tritt das Schwergewicht auch in russischen Werbespots auf, etwa für eine Bank oder eine Ketchup-Marke.

AFP