Es ist ein obskurer Amateurfilm, der die islamische Welt erschüttert. In einem im Internet kursierenden Zusammenschnitt des zweistündigen Streifens wird der Prophet Mohammed als Frauenheld, Kinderschänder und Mörder dargestellt sowie als "Bastard" verunglimpft. Verantwortlich für den Film ist angeblich ein US-Bürger mit israelischen Wurzeln namens "Sam Bacile". Dass es sich dabei um ein Pseudonym handelt, räumte ein Berater ein. Doch wer wirklich hinter dem Machwerk steht, ist unklar.
"Sam Bacile" sei erschüttert über die Auswirkungen seines Films "Innocence of Muslims" ("Die Unschuld der Muslime"), versicherte ein Berater des Projekts, Steve Klein. Der Streifen, der seit Anfang Juli in Auszügen auf dem Videoportal Youtube kursiert, sorgte zunächst kaum für Aufregung. Erst als in der vergangenen Woche eine arabisch synchronisierte Version auftauchte und Auszüge im ägyptischen Fernsehen gezeigt wurden, führte dies zu gewaltsamen Ausschreitungen vor US-Einrichtungen in der arabischen Welt. Im ostlibyschen Bengasi starb dabei unter anderen US-Botschafter Chris Stevens.
Die Schauspieler und andere Beteiligte des Projekts haben sich mittlerweile von dem Streifen distanziert. Sie habe nicht gewusst, dass es sich um antiislamische Propaganda handele, sagte die Schauspielerin Cindy Lee Garcia, dem Internet-Klatschportal "Gawker". Der Film habe die Zeit vor 2000 Jahren darstellen sollen. Von Mohammed oder Muslimen sei dabei keine Rede gewesen. Der verunglimpfende Dialog sei erst später eingefügt worden. In der Tat fällt in dem 14-minütigen Zusammenschnitt die extrem stümperhafte Synchronisierung auf.
"Wir stehen zu 100 Prozent nicht hinter diesem Film und wurden über dessen Absicht grob getäuscht", erklärten die Mitarbeiter laut CNN. Rund 60 Schauspieler und eine 45-köpfige Crew waren laut dem "Wall Street Journal" an dem dreimonatigen Projekt beteiligt. Um die Produktion zu finanzieren, habe er fünf Millionen Dollar von rund einhundert jüdischen Spendern eingesammelt, sagte "Bacile" der Zeitung. Der ganze Streifen wurde bislang erst einmal gezeigt - vor drei Monaten in einem Kino in Hollywood.
Nach Berichten auf der Internetseite der "New York Times" warben Morris Sadek, ein aus Ägypten stammender Kopte, und der berüchtigte Islam-Kritiker Terry Jones aus Florida für den Film von "Sam Bacile". Jones will den Streifen laut US-Medien in seiner Kirche zeigen. Der evangelikale Pastor, der im Frühjahr 2011 mit einer Koran-Verbrennung blutige Proteste in der islamischen Welt ausgelöst hatte, agitierte sofort und erklärte, der Film von "Bacile" sei nicht beleidigend, er zeige lediglich die "Wahrheit" über Mohammed.
US-Medien zitierten am Mittwoch einen 55-jährigen namens Nakoula Basseley Nakoula, der nach eigenen Angaben die Produktionsfirma des Films leitet und koptischer Christ ist. Er bestritt, "Sam Bacile" zu sein. Ein Anruf auf der Handynummer, die "Sam Bacile" am Dienstag für ein Interview mit US-Medien benutzt hatte, führte aber zu ihm. Nakoula war 2010 wegen Betrugs zu 21 Monaten Haft verurteilt worden.
Er kenne die Nationalität des Filmemachers, angeblich ein Entwickler von Immobilienprojekten aus Kalifornien, nicht, sagte Projektberater Klein. Die israelischen Behörden hätten aber nichts mit dem Film zu tun. Es handele sich um private Macher und privates Geld, versicherte Klein.