8. August 2012, 13:48 Uhr

Ratingagentur senkt Ausblick für Griechenland

Die US-Ratingagentur Standard & Poor's hat den Ausblick für die Kreditwürdigkeit Griechenlands auf "negativ" gesenkt.

Die US-Ratingagentur Standard & Poor's hat den Ausblick für die Kreditwürdigkeit Griechenlands auf "negativ" gesenkt. Athen habe offenbar Probleme, die Forderungen der internationalen Geldgeber zu erfüllen, teilte die Agentur zur Begründung mit. Die US-Notenbank Fed forderte die Eurozone indes zu einer gemeinsamen Haushaltspolitik auf.

Die Bonitätsnote Griechenlands beließ Standard & Poor's bei CCC und damit auf Ramschstatus. Angesichts der Situation müsse die Kreditwürdigkeit des Landes demnächst aber womöglich nochmals herabgestuft werden, erklärte die Agentur. Als Gründe nannte sie die sich verschlechternde wirtschaftliche Lage in Griechenland und die bevorstehenden politischen Herausforderungen. Die Agentur könnten Athen noch um zwei weitere Stufen auf Pleitestatus herabstufen.

Standard & Poor's nannte es "wahrscheinlich", dass Athen über die bisher zugesagten Finanzhilfen hinaus weitere sieben Milliarden Euro benötigen könne. Das seit März laufende zweite Hilfsprogramm für Griechenland hat ein Volumen von 130 Milliarden Euro. Eine neue Hilfstranche, ohne die dem Land die Staatspleite droht, soll nach einer für September geplanten neuen Prüfung ausgezahlt werden.

Im Gegenzug muss Athen bis zum Jahr 2014 rund 11,5 Milliarden Euro einsparen. Finanzminister Giannis Stournaras hatte zuletzt erklärt, dass in dem geplanten neuen Sparpaket noch Maßnahmen im Umfang von bis zu vier Milliarden Euro fehlten. Bis zum Jahr 2020 soll Griechenland seine Gesamtverschuldung von derzeit mehr als 160 Prozent auf 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts senken.

FDP-Generalsekretär Patrick Döring begrüßte neue Äußerungen von Luxemburgs Regierungschef Jean-Claude Juncker zu einem möglichen Austritt Griechenlands aus der Eurozone. "Eurogruppenchef Juncker sieht und sagt es jetzt auch wie wir: Wir wollen keinen Auszug Griechenlands aus dem Euroraum, aber wir fürchten diese Konsequenz auch nicht", sagte Döring der "Rheinischen Post".

Juncker hatte einen Austritt Griechenlands aus dem Euroraum als beherrschbar, aber nicht wünschenswert bezeichnet. Zugleich übte er Kritik am FDP-Chef und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler, der wiederholt über einen Austritt Griechenlands spekuliert und im Juli gesagt hatte, das Szenario habe "seinen Schrecken verloren". Ihm sei Griechenland "nicht egal", sagte Juncker.

Fed-Chef Ben Bernanke rief die Europäische Union dazu auf, künftig eine gemeinsame Haushaltspolitik zu verfolgen. Das "Grundproblem" des Euroraums sei, dass es zwar eine gemeinsame Zentralbank gebe, aber die Budgethoheit jeweils bei den Mitgliedsstaaten liege. Dies zu ändern, sei zwar "schwierig", könne jedoch "zur Bekämpfung vieler Probleme" nützlich sein, sagte Bernanke in Washington.

Die USA hatten die Eurozone schon mehrfach aufgefordert, die Eurokrise durch beherzte Maßnahmen wie etwa Konjunkturprogramme oder ein stärkeres Engagement der Europäischen Zentralbank zu überwinden. Vor allem Deutschland lehnt dies ab. Eine gemeinsame Haushaltspolitik in der Eurozone fordert auch der Internationale Währungsfonds, der an den Finanzhilfen für Athen maßgeblich beteiligt ist.

AFP
 
 
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