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26. Februar 2011, 09:05 Uhr

USA blockieren Immobilienbesitz und Vermögen des Gaddafis-Clans

Luxus-Immobilien in London, eine Privatklinik in Tripolis, Gewinne aus der Coca-Cola-Lizenz. Über die genaue Höhe des Gaddafi-Vermögens gibt es keine gesicherten Erkenntnisse. Oppositionelle halten einen Betrag zwischen 80 und 150 Milliarden US-Dollar für wahrscheinlich.

Die USA haben Sanktionen gegen Libyens Machthaber Muammar el Gaddafi verhängt. US-Präsident Barack Obama unterzeichnete am Freitag ein Dekret, welches das Vermögen und den Immobilienbesitz Gaddafis und vier seiner Söhne in den USA blockiert, wie das Weiße Haus mitteilte. Am Freitag hatten sich auch die EU-Staaten im Grundsatz auf Kontosperrungen und Reiseverbote für Gaddafis Familie verständigt. Der UN-Sicherheitsrat sollte am Samstag weiter über mögliche Sanktionen beraten.

Oppositionelle schätzen das Vermögen der Familie des libyschen Staatschefs Muammar al-Gaddafi auf 80 bis 150 Milliarden US-Dollar (umgerechnet 58 bis 109 Milliarden Euro). Genaue Zahlen gibt es nicht, weil es in dem Geheimdienststaat sehr gefährlich war, über die korrupten Machenschaften des Clans zu sprechen.

Einen interessanten Einblick in die Geschäfte der Sippe gewähren die Depeschen der US-Botschaft in Tripolis, die kürzlich von der Internet-Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlicht worden waren. Danach hat die Familie Beteiligungen in den Sektoren Öl, Gas, Telekommunikation, Infrastruktur und Bau, Hotels, Presse- und Konsumgütervertrieb. Einige der Söhne von Gaddafi sollen gelegentlich ohne Absprache mit dem Vater beim Chef der Nationalen Öl-Gesellschaft (NOC), Schukri Ghanem, vorstellig geworden sein. Dort forderten sie mit einigem Nachdruck Millionen aus dem Öl-Geschäft für ihre privaten Zwecke. Alternativ schlugen sie vor, ihnen das Öl direkt abzutreten.

Sohn Saif al-Islam war zudem über seine Firma One-Nine Petroleum an den Einnahmen aus dem Öl-Geschäft beteiligt. Seine Schwester Aischa soll eine Privatklinik in Tripolis besitzen. Am staatlichen kontrollierten Telekom- und Internet-Geschäft verdiente Mohammed al-Gaddafi. Al-Saadi stieg in den Immobilien- und Tourismus-Sektor ein. Um die Coca-Cola-Lizenz soll es Streit unter den Brüdern Al-Saadi, Mohammed und Mutassim gegeben haben. Wie groß der Teil der Gewinne ist, die vom Gaddafi-Clan ins Ausland gebracht wurden, ist noch nicht klar. Angeblich hat die Familie Konten in arabischen Golfstaaten, obwohl ihre Beziehungen zu den meisten Herrschern am Golf sehr schlecht sind.

Saif al-Islam soll eine Luxus-Immobilie in London besitzen. Außerdem soll dem Clan ein Einkaufszentrum im Herzen der britischen Hauptstadt gehören. 2002 war die Familie Gaddafi über die Investmentfirma Lafico mit 7,5 Prozent bei dem italienischen Fußballverein Juventus Turin eingestiegen. Dafür wurden damals 22,9 Millionen Euro bezahlt.

DPA/AFP
 
 
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