Rechtsstreitigkeiten belasten Bilanz der Deutschen Bank

30. Juli 2013, 12:08 Uhr

Rechtsstreitigkeiten haben die Gewinne der Deutschen Bank in den vergangenen Monaten belastet.

Rechtsstreitigkeiten haben die Gewinne der Deutschen Bank in den vergangenen Monaten belastet. Neue Rückstellungen für juristische Auseinandersetzungen hätten auf das Ergebnis gedrückt, das mit 335 Millionen Euro nach Steuern im zweiten Quartal nur halb so hoch ausgefallen sei wie im Vorjahreszeitraum, teilte die Deutsche Bank in Frankfurt am Main mit. Der Konzern kündigte an, seine Bilanz weiter deutlich verkleinern zu wollen.

Die Deutsche Bank legte in den vergangenen Monaten weitere 630 Millionen Euro für Rechtsstreitigkeiten zurück, wie aus den Geschäftszahlen des Konzerns für das zweite Quartal von April bis Juni hervorging. Diese Aufwendungen hätten entsprechend das Vorsteuerergebnis des Konzerns belastet, welches sich auf 792 Millionen Euro belaufen habe.

Die Deutsche Bank habe ihre Rückstellungen "deutlich erhöht", erklärte das Führungsduo des Konzerns, Jürgen Fitschen und Anshu Jain. Insgesamt beliefen sich diese nun auf nun 3,0 Milliarden Euro. Trotz der erhöhten Rückstellungen sei es dem Konzern gelungen, seine Ziele bei der Kapitalausstattung zu erreichen. Die Hauptgeschäftsfelder hätten "gute Ergebnisse" geliefert.

Im ersten Halbjahr erwirtschaftete die Deutsche Bank einen Gewinn von 1,995 Milliarden Euro nach Steuern, wie aus den Geschäftszahlen hervorging. Dies waren demnach vier Prozent weniger als in den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres.

Die Deutsche Bank sieht sich mit einer Reihe von Skandalen und juristischen Auseinandersetzungen konfrontiert. Gegen den Konzern laufen unter anderem Untersuchungen von Finanzaufsehern wegen der Verwicklung von Mitarbeitern in die Manipulation des Libor und anderer international bedeutender Zinssätze. Zudem geht die Staatsanwaltschaft dem Verdacht auf Umsatzsteuerbetrug durch Konzernmitarbeiter im Handel mit CO2-Zertifikaten nach. In dem Zusammenhang gab es Ende 2012 auch eine Razzia bei der Deutschen Bank.

Auch die juristischen Streitigkeiten im Zusammenhang mit der Rolle der Deutschen Bank bei der Pleite des Medienimperiums des verstorbenen Unternehmers Leo Kirch sind noch nicht beigelegt. In den USA muss sich der Konzern für Geschäfte mit Immobilienkrediten vor Gericht verantworten. Mit der Stadt Los Angeles legte der Konzern kürzlich einen Konflikt im Zusammenhang mit Immobiliengeschäften durch einen Vergleich bei.

Die Deutsche Bank erklärte, sie wolle ihre Bilanz weiter schrumpfen. Dies wolle der Konzern auf eine Weise tun, die es ihm erlaube, sein "Angebot für Kunden beizubehalten" und sein Geschäft zu stärken, ohne dass dies "materielle Auswirkungen" auf das Konzernergebnis habe, erklärte das Führungsduo Fitschen und Jain. Finanzvorstand Stefan Krause sagte in einer Telefonkonferenz, die Deutsche Bank werde ihre Bilanzsumme um 250 Milliarden Euro verringern. Dies entspricht etwa zwölf Prozent der Bilanz des vergangenen Jahres.

 
 
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stern (31/2014)
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