REPORTAGE: Das schreckliche Ende einer Nacht

27. Januar 2013, 19:48 Uhr

Immer neue Rettungswagen fahren vor, um die Opfer der Brandkatastrophe in einer Disko in Santa Maria abzutransportieren.

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Immer neue Rettungswagen fahren vor, um die Opfer der Brandkatastrophe in einer Disko in Santa Maria abzutransportieren. Vor dem Nachtclub hat sich eine Traube von Menschen gebildet, die ihre Angehörigen unter den vielen Opfern glauben. Mindestens 232 Menschen starben nach Angaben der Polizei in dem Flammeninferno, das sich aus der kleinen Pyrotechnik-Show einer Rockband entwickelt hatte. Überlebende der Tragödie schildern, wie das Feuer eine Massenpanik auslöste, in der viele Gäste tot getrampelt wurden oder erstickten.

Gegen 2.30 Uhr (Ortszeit; 5.30 Uhr MEZ) war das Feuer in der Diskothek "Kiss" ausgebrochen. Die Pyrotechnik-Show einer Rockband geriet außer Kontrolle, das Dämmmaterial an der Decke entzündete sich. "Das Feuer war am Anfang klein, aber innerhalb von Sekunden ist es explodiert", sagt Taynne Vendruscolo vor Reportern. "Alle haben gedrückt und gedrängelt." Erst nach etwa fünf Stunden war der Brand unter Kontrolle.

Auch ein Student berichtet, dass die Katastrophe in Windeseile ihren Lauf genommen habe. "Ich war in der Nähe des Notausgangs und konnte rauskommen", sagt Janio Vieira, dem es sichtlich schwer fällt, nach diesem schrecklichen Ereignis zu sprechen. Für viele andere wurde die Disko dagegen zur tödlichen Falle. Örtliche Fernsehsender zeigen Bilder von Anwohnern, die mit Hammern versuchten, die Mauern der Disko zu zerschlagen, um den Eingeschlossenen Luft zum Atmen zu verschaffen.

"Das war eine zu kleine Tür für so viele Leute", sagt Luana Santos Silva dem Sender TV Globo. "Die Metallabsperrungen für die Warteschlangen haben die Evakuierung behindert", berichtet Mattheus Bortolotto, ein junger Zahnarzt, der den Brand überlebte, der Zeitung "Correio do Povo". "Die Leute sind ineinander gelaufen, stürzten." Eine junge Frau sei in seinen Armen gestorben, erzählt Bortolotto. "Ich habe gespürt, wie ihr Herz aufhörte zu schlagen. Ich habe das bisher immer nur im Kino gesehen."

Mit 232 Toten und 131 Verletzten war es der zweitschlimmste Brand in der Geschichte Brasiliens. Nur ein Zirkusbrand 1961 war nach Angaben der Behörden mit 533 Todesopfern noch verheerender. Die Stadtverwaltung von Santa Maria rief eine 30-tägige Trauerzeit aus und richtete für die Angehörigen der Opfer eine psychologische Beratungsstelle ein.

Die Katastrophe in der südbrasilianischen Universitätsstadt schockiert das ganze Land. "Ich möchte der Bevölkerung von Santa Maria sagen, dass wir in diesem Moment der Trauer bei Euch sind", versichert Präsidentin Dilma Rousseff mit tränenerstickter Stimme. Sie brach einen Gipfelbesuch in Chile ab, um nach Santa Maria zu reisen.

Nach Angaben der Feuerwehr wurden bei der Massenpanik einige Menschen tot getrampelt. Die meisten seien aber in dem Gedränge erstickt. Die Angehörigen von Vermissten werden aufgerufen, Fotos abzugeben, um die Identifikation der vielen Todesopfer zu erleichtern. Vor dem rechtsmedizinischen Institut der Stadt im südlichen Bundesstaat Rio Grande do Sul versammeln sich derweil junge Leute mit rußverschmierten Gesichtern und angstvollen Blicken, die nach ihren Freunden suchen. Die Todesopfer wurden erst einmal in ein Sportzentrum von Santa Maria gebracht. Nur dort ist genug Platz für all die Leichen.

AFP