Nach Real, Kaiser's Tengelmann und Eismann hat im Pferdefleisch-Skandal nun auch die Supermarktkette Rewe den Verkauf bestimmter Fertigprodukte gestoppt.
Nach Real, Kaiser's Tengelmann und Eismann hat im Pferdefleisch-Skandal nun auch die Supermarktkette Rewe den Verkauf bestimmter Fertigprodukte gestoppt. Dabei handle es sich um die Produkte "Mou Lasagne Bolognese" und "Mou Cannelloni Bolognese" der Marke Tulip, wie ein Rewe-Sprecher erklärte. Tulip habe Rewe darüber informiert, dass das Unternehmen nicht ausschließen könne, dass die beiden Produkte Pferdefleisch enthalten könnten. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) verurteilte den Skandal als einen "bislang einmaligen Fall von Verbrauchertäuschung".
Zwar seien bisher keine Spuren von Pferdefleisch in den Produkten nachgewiesen worden, erklärte der Rewe-Sprecher. Um jedoch "eine Irreführung unserer Kunden" auszuschließen, habe Rewe diese Artikel "vorsorglich aus dem Sortiment" genommen. Produkte von Marken der Rewe-Gruppe seien "von möglichen Falschdeklarationen nicht betroffen", erklärte der Sprecher. Dem Unternehmen lägen "von allen ihren Lieferanten" Unbedenklichkeitserklärungen vor, die den Einsatz von Pferdefleisch ausschlössen.
Es verfestige sich der Verdacht, dass in diesem "beispiellosen Betrugsfall mit hoher krimineller Energie" vorgegangen worden sei, erklärte Aigner. Es handle sich um eine "echte Sauerei", sagte Aigner im ARD-Morgenmagazin. Ein Dokument beweist angeblich, dass die französische Firma Spanghero noch Anfang Januar Pferdefleisch von einem zyprischen Händler kaufte. Aus Großbritannien wurde mit Medikamenten belastetes Pferdefleisch nach Frankreich exportiert.
Aigner erklärte, bei den Behörden und betroffenen Firmen seien umfangreiche Recherchen und Analysen angelaufen. Um das tatsächliche Ausmaß des Falls erfassen zu können, brauche es ein europaweit einheitliches Vorgehen. Alle EU-Mitgliedstaaten müssten nun systematisch Fleischprodukte testen.
Nach Nordrhein-Westfalen ist möglicherweise auch in Baden-Württemberg Lasagne mit Pferdefleisch in den Handel gelangt. Lieferungen aus französischen Firmen, die in den Skandal um das falsch deklarierte Fleisch verwickelt sind, seien über Nordrhein-Westfalen nach Baden-Württemberg gelangt, teilte in Stuttgart das Landesverbraucherministerium mit. Derzeit liefen Untersuchungen, um abzuklären, ob die Lasagne tatsächlich falsch deklariertes Pferdefleisch enthalte.
Die französische Firma Spanghero, die im Zentrum des Skandals steht, kaufte einem Zeitungsbericht zufolge noch Anfang Januar 42 Tonnen Pferdefleisch von einem zyprischen Händler. Die Zeitung "Le Parisien" veröffentlichte das Faksimile einer Rechnung, nachdem Spanghero bisher immer versichert hatte, nicht mit Pferdefleisch gearbeitet zu haben.
Die Zeitung meldet, sie habe drei Rechnungen bei den rumänischen Behörden einsehen können, die den Verdacht auf die Firma Spanghero in Südwestfrankreich sowie auf den zyprischen Zwischenhändler Draap lenkten. Diesen Rechnungen zufolge habe die französische Firma 42 Tonnen Pferdefleisch-Schlachtreste wie Muskelbänder oder Fett am 4., 9. und 12. Januar erhalten.
Nach Angaben des britischen Landwirtschaftsministers David Heath wurden Spuren des vermutlich für den Menschen gefährlichen Anti-Schmerzmittels Phenylbutazonin Proben von insgesamt acht in Großbritannien geschlachteten Pferden gefunden. Drei dieser Tiere seien nach Frankreich geliefert worden und könnten dort in die Nahrungsmittelkette gelangt sein.