Rösler verteidigt FDP-Vorsitz in internem Machtkampf

21. Januar 2013, 17:38 Uhr

Eine Tandem-Lösung soll den Führungsstreit in der FDP endgültig beilegen.

0 Bewertungen

Eine Tandem-Lösung soll den Führungsstreit in der FDP endgültig beilegen. Philipp Rösler will Parteichef bleiben, Fraktionschef Rainer Brüderle soll die Partei in die Bundestagswahl führen, wie die beiden Politiker in Berlin ankündigten. Der parteiintern umstrittene Rösler hatte Brüderle in einer turbulenten Sitzung des Parteipräsidiums auch das Amt des FDP-Chefs angeboten, was dieser aber ausschlug.

Brüderle werde als "Spitzenmann" der FDP "das Gesicht für die Bundestagswahl 2013" sein, sagte Rösler. Seine eigene Aufgabe sehe er darin, "das Team zusammenzubinden und die Kampagnenfähigkeit zu verbessern". Brüderle sprach von einer "sinnvollen Teamlösung". Er beteuerte: "Es war nicht meine Absicht, Parteivorsitzender zu werden."

Bestärkt vom guten Abschneiden der FDP bei der Niedersachsenwahl hatte Rösler zuvor in einer Präsidiumssitzung eine Entscheidung im Machtkampf um die FDP-Führung erzwungen. Er bot Brüderle die Spitzenrolle im Bundestagswahlkampf an und erklärte sich bereit, auch den Parteivorsitz an Brüderle abzugeben, falls dieser es wünsche, berichteten Teilnehmer. Brüderle habe in der Sitzung aber nicht den Versuch unternommen, Rösler den Vorsitz abzunehmen.

In einem Vier-Augen-Gespräch verständigten sich die beiden Liberalen auf die Tandem-Lösung, die von Präsidium und Vorstand einstimmig abgesegnet wurde. In den Gremien habe sich nur der Rösler-Kritiker Dirk Niebel offen für Brüderle als Parteichef ausgesprochen, hieß es weiter.

Die Personalentscheidungen sollen rasch von einem Parteitag abgesegnet werden. Auf Röslers Vorschlag hin beschlossen Präsidium und Vorstand, den ursprünglich für Anfang Mai geplanten Parteitag vorzuziehen. Er könnte nun im März stattfinden.

Rösler und Brüderle ließen auf Nachfrage offen, wer im Spitzenteam künftig das Sagen haben wird. Rösler betonte, "gemeinsam als Team" mit Brüderle den Wahlkampf bestreiten zu wollen. Die Botschaften würden gemeinsam formuliert und von Brüderle präsentiert. Dem Fraktionschef werde er dabei aber nicht allein das Feld überlassen: "Ich werde als Parteichef das ganze Team, das mit dazu gehört, führen."

Brüderle beschrieb die Arbeitsteilung mit einem Fußball-Vergleich: "Kapitän ist der Parteivorsitzende. Sturmspitze ist der Spitzenmann, der vorne Tore schießen soll." Als "Spitzenkandidat" soll Brüderle nicht bezeichnet werden, die Partei spricht von einem "Spitzenmann".

Das Verhältnis der beiden Liberalen war zuletzt nicht ohne Probleme. Manche in der FDP unterstellten Brüderle Ambitionen auf den Parteivorsitz. Die beiden Politiker hoben am Montag ihre Unterschiedlichkeit hervor. Brüderle sprach von "unterschiedlichen Temperamenten". Rösler sagte: "Rainer Brüderle und ich sind unterschiedlich, das ist jedem klar." Genau darin sehe er aber einen strategischen Vorteil der Tandem-Lösung: "Wir sprechen unterschiedliche Typen an", was der FDP zusätzliche Wähler einbringen könne.

Führende FDP-Politiker begrüßten die Personalaufstellung. Damit ziehe die FDP "einen Strich unter die Personaldebatten", erklärte Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP). Der Chef des NRW-Landesverbands, Christian Lindner, sprach von einer "überraschenden personellen Verstärkung". Er sehe darin "eine Bündelung der Kräfte", sagte er der "Westdeutschen Zeitung".

AFP