"Rubygate": Sechs Jahre Haft für Berlusconi gefordert

13. Mai 2013, 19:48 Uhr

Im sogenannten "Rubygate"-Prozess in Italien hat die Staatsanwaltschaft eine sechsjährige Haftstrafe für den ehemaligen Regierungschef Silvio Berlusconi gefordert.

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Im sogenannten "Rubygate"-Prozess in Italien hat die Staatsanwaltschaft eine sechsjährige Haftstrafe für den ehemaligen Regierungschef Silvio Berlusconi gefordert. Staatsanwältin Ilda Boccassini beantragte vor Gericht in Mailand zudem, dass der 76-Jährige keine öffentlichen Ämter mehr bekleiden dürfe. In dem Prozess geht es um Vorwürfe des Amtsmissbrauchs und der Förderung der Prostitution Minderjähriger. Berlusconi weist dies zurück.

"Es gibt keinen Zweifel, dass Silvio Berlusconi der ihm vorgeworfenen Straftaten schuldig ist", sagte Boccassini. "Wir fordern eine Strafe von sechs Jahren Gefängnis." Berlusconi wird beschuldigt, im Jahr 2010 mit der damals minderjährigen Nachtklubtänzerin Karima al-Mahrough alias Ruby Rubacuore ("Herzensbrecherin") Sex gegen Geld gehabt zu haben. Später soll er sein Amt als Regierungschef missbraucht haben, um die Freilassung der wegen Diebstahls festgenommenen Marokkanerin bei der Polizei zu erreichen. Sowohl der Ex-Ministerpräsident als auch die Tänzerin wiesen alle Vorwürfe zurück.

Für Boccassini dagegen ist die Sache klar: "Er hatte Sex mit ihr und er wusste, dass sie minderjährig war", sagte die Anklägerin in ihrem Schlussplädoyer. Die zu den berühmt-berüchtigten "Bunga-Bunga-Partys" in Berlusconis Anwesen in der Nähe von Mailand eingeladenen Frauen seien "Teil eines Prostituiertensystems, das für die sexuelle Befriedigung des Angeklagten ins Leben gerufen wurde". Dass auch al-Mahrough die Vorwürfe zurückwies, hat nach Ansicht von Boccassini finanzielle Gründe: Die Nachtklub-Tänzerin habe von Berlusconi 4,5 Millionen Euro erhalten.

Nach der Anklage soll am 3. Juni die Verteidigung ihr Schlussplädoyer halten. Der dann folgende Gerichtstermin ist für den 24. Juni angesetzt, dann könnte das Urteil fallen. Berlusconi kämpft derzeit an verschiedenen Fronten gegen die Justiz. Erst am vergangenen Mittwoch hatte ein Mailänder Berufungsgericht die Verurteilung Berlusconis zu einem Jahr Haft und zu einem fünfjährigen Verbot der Amtsübernahme wegen Steuerbetrugs bestätigt. Nur einen Tag später beantragte die Staatsanwaltschaft von Neapel die Eröffnung eines weiteren Verfahrens wegen Bestechung.

AFP