7. Februar 2012, 12:08 Uhr

Russischer Außenminister in Syrien mit Jubel empfangen

Drei Tage nach dem Streit um eine UN-Resolution zu Syrien ist der russische Außenminister Sergej Lawrow zu Gesprächen mit Präsident Baschar al-Assad in Damaskus eingetroffen.

Drei Tage nach dem Streit um eine UN-Resolution zu Syrien ist der russische Außenminister Sergej Lawrow zu Gesprächen mit Präsident Baschar al-Assad in Damaskus eingetroffen. Bei der Gewalt in Syrien wurden nach Informationen von Menschenrechtsaktivisten am Montag fast hundert Menschen getötet. Allein beim Bombardement der Rebellenhochburg Homs durch die Armee kamen 69 Zivilisten ums Leben, berichtet die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich entsetzt von der Gewalt in dem Land.

Das Außenministerium in Moskau teilte mit, Lawrow sei in Begleitung des Chefs des russischen Auslandsgeheimdienstes, Michail Fradkow, in Syriens Hauptstadt angekommen. Nach Angaben russischer Staatsmedien hat Lawrow ein Botschaft von Präsident Dmitri Medwedew an Assad bei sich. Die Regierungen in Moskau und Damaskus gaben aber keine Einzelheiten bekannt.

In Damaskus wurde Lawrow mit Jubel von Assad-Anhängern begrüßt. Die Menge skandierte "Danke Russland! Danke China!". Das Staatsfernsehen berichtete, die mehreren tausend Kundgebungsteilnehmer wollten Russland für die "Unterstützung Syriens und der eingeleiteten Reformen" danken.

Auch am Morgen waren in Homs weiter Explosionen von Granaten zu hören. Ein Einwohner des Viertels Baba Amro sagte der Nachrichtenagentur AFP am Telefon, der Beschuss habe die ganze Nacht nicht aufgehört. Alle fünf Minuten seien rund vier Explosionen zu hören. Wegen der Scharfschützen wage niemand, vor die Tür zu gehen.

Lawrow will in Damaskus nach Angaben seines Ministeriums auf "notwendige demokratische Reformen" dringen. Russland und China hatten am Samstag mit ihrem Veto eine Verurteilung der Gewalt in Syrien durch den UN-Sicherheitsrat verhindert und waren dafür scharf kritisiert worden. Es war bereits das zweite Mal, dass beide Staaten ein Veto gegen eine Syrien-Resolution einlegten. Sowohl Moskau als auch Peking unterhalten enge Beziehungen zur Regierung in Damaskus.

Das US-Außenministerium erklärte, dass alle Mitarbeiter der diplomatischen Vertretung aus Sicherheitsgründen das Land verlassen hätten. Demnach schürte "der jüngste Anstieg der Gewalt" mit Bombenanschlägen in Damaskus Befürchtungen, dass die Botschaft nicht ausreichend gegen einen "möglichen bewaffneten Angriff" geschützt sei. Großbritannien rief seinen Botschafter "für Beratungen" nach London zurück. Die deutsche Botschaft ist nach Angaben des Auswärtigen Amtes noch geöffnet, das Personal aber "stark ausgedünnt".

Die Gewalt gegen Zivilisten sei "für die Menschheit absolut nicht hinnehmbar", erklärte Ban. Die Tatsache, dass der UN-Sicherheitsrat bislang keine Einigkeit über eine Resolution zur Syrien-Krise gefunden habe, gebe den syrischen Behörden keinen Freibrief dafür, ihre Angriffe auf die Bevölkerung zu verstärken, betonte der UN-Generalsekretär. Keine Regierung könne derart gegen ihre Bevölkerung vorgehen, ohne ihre Legitimität zu untergraben.

AFP
 
 
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