Schaden aus Kartoffelkartell bislang kaum abschätzbar

13. Mai 2013, 16:33 Uhr

Der durch das mutmaßliche Kartoffelkartell verursachte Schaden für Wirtschaft und Verbraucher ist nach Angaben des Bundeskartellamts bislang kaum abzuschätzen.

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Der durch das mutmaßliche Kartoffelkartell verursachte Schaden für Wirtschaft und Verbraucher ist nach Angaben des Bundeskartellamts bislang kaum abzuschätzen. Angaben über mögliche Gewinne oder den Schaden durch das Kartell seien derzeit "völlig verfrüht und reine Spekulation", erklärte Kartellamtschef Andreas Mundt in Bonn. Die Grünen forderten, die Untersuchungen der Wettbewerbshüter auch auf andere landwirtschaftliche Produkte auszudehnen.

"Wir stehen ganz am Anfang der Ermittlungen", betonte Kartellamts-Präsident Mundt. Die Razzien bei Unternehmen aus der Kartoffelbranche in der vergangenen Woche seien "auf der Basis eines Anfangsverdachts" vorgenommen worden. Das Kartellamt erhalte derzeit eine Vielzahl von "vermeintlichen" Hinweisen. Die "Bild"-Zeitung hatte berichtet, dass mutmaßliche Kartoffelkartell habe sich durch seine Praktiken über zehn Jahre hinweg unrechtmäßige Einnahmen von bis zu einer Milliarde Euro gesichert.

An dem Kartell beteiligte Unternehmen hätten nach wie vor die Möglichkeit, eine Bonusregelung des Kartellamts in Anspruch zu nehmen, erklärte Mundt. Das heiße, dass sich eine Zusammenarbeit mit der Wettbewerbsbehörde in einem laufenden Verfahren mildernd auf eine zu erwartende Strafe auswirken könne.

Das Bundeskartellamt hatte am vergangenen Dienstag neun Standorte von Unternehmen aus dem Bereich der Kartoffelerzeugung und des Kartoffelbetriebs wegen des Verdachts auf Preisabsprachen durchsucht sowie eine Privatwohnung. Gegen fünf Firmen wurden Bußgeldverfahren eingeleitet. Hauptabnehmer der Unternehmen waren demnach Firmen des deutschen Lebensmitteleinzelhandels.

Der Grünen-Agrarexperte im Bundestag, Friedrich Ostendorff, kritisierte, zwischen Kartoffelerzeugern und Verbrauchern habe sich mit den großen Abpackbetrieben "eine Branche etabliert, für die Vernebelung und Intransparenz zum Geschäftsmodell geworden sind". Dieses Gruppe von Unternehmen bestimme "die komplette Preisbildung", weil sie sich "an den Schaltstellen der Produktionskette positioniert" habe. Die Wettbewerbshüter müssten ihre Untersuchungen deswegen auch auf andere Agrarprodukte ausdehnen, bei denen ähnliche Absprachepraktiken zu erwarten sind.

AFP