Für die Leugnung des Holocausts saß der brite David Irving schon hinter Gitter. Nun zeigt er Interessierten in Polen Schauplätze des Zweiten Weltkrieges - und die "wahre Geschichte".
Der britische Holocaust-Leugner David Irving hat in Polen einen umstrittenen Besuch von Schauplätzen des Zweiten Weltkrieges und der Judenverfolgung begonnen. "Ich bin nun in Warschau und werde neun Tage lang in Polen bleiben", sagte Irving der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag am Telefon. Zu seiner Reiseroute wollte sich Irving "aus Sicherheitsgründen" nicht äußern. So schwieg er zu Spekulationen, er werde auch das NS-Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau in der Nähe von Krakau besuchen.
Irving bietet vom 21. bis zum 29. September eine geführte Polen-Reise an. Unter anderem steht ein Besuch des ehemaligen Führer-Bunkers Wolfsschanze und eines Stützpunktes des damaligen SS-Führers Heinrich Himmler auf dem Programm. Auch eine eine Fahrt zum ehemaligen Vernichtungslager Treblinka im Osten Polens, wo mehr als 800.000 Menschen ermordet wurden, findet sich dort.
Irving preist die Tour auf seiner Website als "unvergessliche Reise" an, die es ermögliche, "wahre Geschichte" zu sehen. Überlebende und Anti-Rassismus-Organisationen aus Polen und Großbritannien protestierten gegen den Besuch, weil ihnen zufolge an der Reise in erster Linie Holocaust-Leugner und Neonazis aus Großbritannien, anderen westeuropäischen Staaten und den USA teilnehmen.
Irving saß wegen Leugnung des Holocausts bereits in Österreich in Haft. In Polen wird die Verbreitung antisemitischer Äußerungen und das Leugnen des Völkermords an den Juden mit bis zu drei Jahren Haft bestraft. Polnischen Angaben zufolge wurden rund 5,5 Millionen Polen Opfer der Besatzung durch die Nationalsozialisten. Etwa die Hälfte der sechs Millionen Juden, die während des Holocaust ermordet wurden, stammte aus Polen.