Schicksal mehrerer Geiseln in Algerien weiter ungewiss

19. Januar 2013, 09:43 Uhr

Drei Tage nach dem Angriff islamistischer Kämpfer auf eine Gasförderanlage in Algerien ist das Schicksal mehrerer Geiseln noch immer unklar gewesen.

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Drei Tage nach dem Angriff islamistischer Kämpfer auf eine Gasförderanlage in Algerien ist das Schicksal mehrerer Geiseln noch immer unklar gewesen. Sieben bis zehn Menschen befänden sich weiter in Händen der Entführer, berichteten die mauretanische Nachrichtenagentur ANI und ein Vertreter der algerischen Sicherheitskräfte.

Nach ANI-Angaben handelt es sich bei den noch festgehaltenen Geiseln um drei Belgier, zwei US-Bürger, einen Japaner und einen Briten. Die Agentur berief sich auf das Umfeld des islamistischen Kommandos. Die Al-Kaida nahestehende Gruppe "Die mit Blut unterzeichnen" hält die Geiseln demnach in der Anlage fest.

Die algerische Nachrichtenagentur APS meldete unter Berufung auf Kreise der Sicherheitskräfte, seit dem Beginn des Militäreinsatzes seien zwölf Geiseln und 18 Kidnapper getötet sowie etwa hundert ausländische Geiseln befreit worden. Demnach ist das Schicksal von insgesamt etwa 30 ausländischen Geiseln unklar.

Die algerische Armee hatte am Donnerstag in der Gasanlage bei In Aménas nahe der libyschen Grenze eine Befreiungsaktion gestartet, nachdem die Islamisten dort am Mittwoch hunderte Geiseln genommen hatten. Die Islamisten fordern unter anderem ein Ende des französischen Militäreinsatzes im Norden Malis.

US-Außenministerin Hillary Clinton sagte nach einem Telefonat mit dem algerischen Regierungschef Abdelmalek Sellal in Washington, dieser habe "deutlich gemacht, dass die Operation immer noch andauert, die Lage instabil ist und noch in mehreren Fällen Geiseln in Gefahr sind".

US-Außenamtssprecherin Victoria Nuland bestätigte später den Tod eines US-Bürgers. Der US-Fernsehsender NBC berichtete dies ebenfalls und gab zudem an, zwei US-Bürger würden noch vermisst. Dem französischen Außenminister Laurent Fabius zufolge war unter den getöteten Geiseln auch ein Franzose.

Japans Regierungschef Shinzo Abe sagte nach einer Krisensitzung seines Kabinetts in Tokio, es würden noch zehn Japaner vermisst. Die algerische Regierung rief er dazu auf, sich "mit allen Mitteln" für deren Befreiung einzusetzen.

Der UN-Sicherheitsrat verurteilte die Geiselnahme scharf. In einer in New York verbreiteten Mitteilung sprachen die 15 Mitglieder des Gremiums von einem "abscheulichen" Angriff mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida in Verbindung stehender Kämpfer.

Malis Armee meldete derweil die komplette Einnahme der zentralmalischen Stadt Konna, die am 10. Januar von islamistischen Milizen erstürmt worden war. Aus Sorge vor einem weiteren Vorrücken griff Frankreich daraufhin militärisch ein. Auch die Rückeroberung der Stadt Diabali wurde bestätigt.

Inzwischen sind in Mali 1800 französische Soldaten im Einsatz. Die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft kündigte an, die Entsendung ihrer Eingreiftruppe zu beschleunigen. Deutschland und andere EU-Staaten wollen logistische Hilfe leisten.

AFP