Schweizer gegen Begrenzung hoher Vorstandsgehälter

24. November 2013, 19:48 Uhr

Die Wähler in der Schweiz haben einer Begrenzung hoher Vorstandsgehälter eine klare Absage erteilt.

Die Wähler in der Schweiz haben einer Begrenzung hoher Vorstandsgehälter eine klare Absage erteilt. Nach dem endgültigen Ergebnis stimmten 65,3 Prozent gegen die "Initiative 1:12". Sie sah vor, dass kein Unternehmenschef in einem Monat mehr verdienen darf als der schlechtestbezahlte Angestellte in einem Jahr. Zudem sprachen sich die Schweizer gegen eine kräftige Preiserhöhung bei der Autobahn-Vignette aus.

Die Kampagne zur Begrenzung der Chefgehälter war von den Jungsozialisten ausgegangen. Sie wurden von der sozialdemokratischen Mutterpartei, den Grünen und den Gewerkschaften unterstützt. Die bürgerlichen Parteien und Wirtschaftsverbände liefen Sturm gegen den Vorschlag. Sie befürchteten eine Abwanderung der in der Schweiz ansässigen multinationalen Konzerne, bei denen extrem hohe Gehälter besonders verbreitet sind. Zudem warnten sie vor einem Bruch mit der Tradition, wonach sich der Staat nicht allzu sehr in die Geschäfte privater Unternehmen einmischen sollte.

Nach Angaben der Befürworter der Initiative betrug das Gehalt der Vorstandschefs großer Konzerne im Jahr 2011 im Durchschnitt das 43-Fache des niedrigsten Lohns. Beim Pharmariesen Novartis war es 2012 sogar 219 mal höher; bei der Schweizer Großbank UBS müsste der am schlechtesten bezahlte Angestellte 194 Jahre arbeiten, um auf das Jahresgehalt des Investment-Chefs zu kommen. Bis 1998 war demnach ein Gehälterverhältnis 1:12 noch praktisch Norm - daher auch der Name der Initiative.

Noch im März hatten sich zwei Drittel der Schweizer für die "Volksinitiative gegen die Abzockerei" ausgesprochen - danach sollen hohe Abfindungen oder Begrüßungsmillionen für Manager verboten werden. Im nächsten Jahr steht eine weitere Abstimmung zu einem monatlichen Mindestlohn von 4000 Franken (3333 Euro) bei einer 42-Stunden-Woche an. In zwei bis drei Jahren dürfte es dann um die Einführung eines Grundeinkommens für alle Schweizer in Höhe von 2500 Franken (2083 Euro) gehen.

Auch bei zwei weiteren Initiativen stimmten die Schweizer am Sonntag mehrheitlich mit Nein. 60,5 Prozent lehnten nach den endgültigen Ergebnissen eine Preiserhöhung für die Autobahn-Vignette von derzeit 40 auf 100 Franken ab. 58,5 Prozent sprachen sich gegen zusätzliche Steuererleichterungen für Familien aus, die ihre Kinder zu Hause selbst betreuen.

 
 
stern - jetzt im Handel
stern (31/2014)
Sylt