Er ist wahrscheinlich der Schauspieler mit den weltweit meisten Fans. Der Ruhm von Bollywood-Superstar Shah Rukh Khan reicht längst über sein Heimatland Indien hinaus. Es gibt Menschen, die ihrem Idol überall in die Welt nachreisen. Jetzt dreht Khan in Berlin.
Pathos ist Pflicht für einen Bollywoodstar, und als Shar Rukh Khan über Berlin spricht, reihen sich "wonderful", "most beautiful", "lovely" und "warm" in munterer Wiederholung aneinander - je nachdem, ob es um die Berliner, die Fans oder die Stadt selbst geht. Khan, der in Indien King Khan genannt wird, gibt den Journalisten an diesem Freitag, was sie erwarten. Der 45-Jährige ist vor zwei Wochen in die Hauptstadt gekommen, um bis Ende November Teil zwei des Bollywood Thrillers "Don" zu drehen. Eins weiß er aber schon jetzt: "I love Berlin." Er liebt Berlin.
Es darf von allem ein bisschen mehr sein: Für die Pressekonferenz wurde der Friedrichstadtpalast mit knapp 1900 Sitzen ausgewählt, der allerdings trotz weltweiter Berühmtheit von Shar Rukh Khan nicht voll ist. Bevor der Superstar des indischen Films auf die Bühne kommt, ist sein Bild vierfach überlebensgroß an die Rückwand projiziert. Der Saal ist dunkel wie vor Beginn einer Show. Bollywood-Musik dröhnt aus den Boxen.
Als Khan mit einer Stunde Verspätung erscheint, fällt er dann aber zwischen den anderen Schauspielern, dem Regisseur, dem Produzenten und den vielen deutschen Beteiligten nicht besonders auf. Er ist schmal, das Gesicht hager. Solange die anderen sprechen, streicht er sich immer wieder sorgfältig durchs Haar und findet den Plausch mit der weiblichen Hauptdarstellerin Priyanka Chopra neben ihm mindestens genauso interessant wie die Fragen der Moderatorin an Filmregisseur Farhan Akhtar.
Erst im Laufe der Runde kommt er ein wenig aus sich heraus. Auf die Frage, ob er schon Deutsch gelernt habe, ruft er freudig "Achtung, Achtung" und "danke". Er wolle aber mehr lernen und müsse ja auch im Film einige Sätze auf Deutsch sagen. Dann wendet er sich zu dem Schauspieler Florian Lukas, der einen Detektiv spielen wird, und lässt ihn Wörter auf Hindi wiederholen, bis dieser lachend aufgibt. Was für kulturelle Unterschiede zwischen Indern und Deutschen schon offenbar geworden wären, fragt ein indischer Journalist. Regisseur Akhtar antwortet diplomatisch, dass Inder gern alles spontan entschieden, das sei in Deutschland eher nicht so üblich. Khan hält sich heraus.
Er kündigt an, dass seine Familie zu seinem Geburtstag am 3. November einfliegen werde und, als er sagen soll, wie er den Tag verbringen wird, nutzt er die Gelegenheit, um fürs ganze Set zwei freie Tage extra zu fordern, wozu besonders die weibliche Hauptdarstellerin begeistert klatscht.
An sechs Tagen die Woche wird gedreht, damit Ende November alles im Kasten ist. Auch Bollywood muss offenbar sparen und so muss Khan auf die Außendrehs setzen, um möglichst viel von der Stadt zu sehen. Diese Woche konnte er im Rahmen der Dreharbeiten mit einem Touristenbus fahren, wobei er beträchtliches Aufsehen verursachte. Weitere geplante Drehorte sind das Olympiastadion, die East Side Galery und das Paul-Löbe-Haus, ein Parlamentsgebäude direkt gegenüber dem Kanzleramt.
Der Film soll nicht nur der Unterhaltung dienen, sondern die deutsche Hauptstadt auf dem indischen Subkontinent weithin bekannt machen. Immerhin schauen bis zu 500 Millionen Inder Khans Filme an. Und während es andere europäische Orte wie Paris, London oder Schweizer Almen regelmäßig in Bollywoodfilme schaffen, ist Berlin bisher nicht gezeigt worden. Das soll und wird sich nun ändern, weshalb Berlin den Film mit einer Million Euro fördert und bei seiner Veröffentlichung im November kommenden Jahres eine Berlin-Woche organisieren wird.
Shar Rukh Khan glaubt fest an die Magie der Bilder. "Wir Inder lieben unser Kino und Orte, die in Filmen gezeigt werden, werden zu Sehnsuchtsorten für die Zuschauer", sagt er und erkundigt sich, wie viele Einwohner Berlin hat. "3,5 Millionen? Ihr werdet überrannt werden von Indern", sagt er dann und schüttelt sich vor Lachen über den Gedanken. "Ihr wisst ja nicht, worauf Ihr Euch eingelassen habt."