Snowden erhält Asyl in Russland und verlässt Flughafen

1. August 2013, 18:18 Uhr

Nach mehr als einem Monat im Transitbereich eines Moskauer Flughafens hat der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden in Russland temporäres Asyl erhalten.

Nach mehr als einem Monat im Transitbereich eines Moskauer Flughafens hat der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden in Russland temporäres Asyl erhalten. Der von den USA wegen Geheimnisverrats gesuchte Computerspezialist habe den Flughafen Scheremetjewo verlassen, teilte der vermittelnde Anwalt Anatoli Kutscherena mit. Snowden hatte mit der Enthüllung der flächendeckenden Überwachung der Telefon- und Internetkommunikation durch die US-Geheimdienste weltweit für Aufsehen gesorgt. Er dankte Russland für die Gewährung des Asyls.

"Snowden hat den Flughafen Scheremetjewo verlassen. Ihm wurde gerade ein Dokument gegeben, dass ihm für ein Jahr temporäres Asyl in Russland gewährt worden ist", sagte Kutscherena der Nachrichtenagentur AFP. Der 30-Jährige sei vom Flughafen in einem normalen Taxi weggefahren. Sein künftiger Wohnort werde aus Sicherheitsgründen geheim gehalten. Schließlich sei Snowden "der meistgesuchte Mann des Planeten", sagte Kutscherena. Die USA suchen ihn per Haftbefehl und verlangen von Russland seine Auslieferung.

Snowden war Anfang Juni von seinem früheren Wohn- und Arbeitsort Hawaii zunächst nach Hongkong geflogen, um geheime Dokumente zur Überwachung des Internet- und Telefonverkehrs an ausgewählte Medien zu übermitteln. Am 23. Juni flog er dann weiter, strandete aber auf dem Moskauer Flughafen Scheremetjewo. Da die USA seine Reisedokumente für ungültig erklärten, konnte er nicht weiterreisen, aber auch nicht den Transitbereich verlassen. Er beantragte daher in Russland sowie in anderen Staaten Asyl.

Die Enthüllungsplattform Wikileaks erklärte, Snowden sei "in der Obhut" ihrer Mitarbeiterin Sarah Harrison, die ihn bereits auf dem Flug aus Hongkong begleitete. Eine Sprecherin des Flughafens bestätigte, dass Snowden gegangen sei. Es gelang Snowden offenbar, den Journalisten zu entgehen, die seit Wochen versuchen, einen Blick auf ihn zu erlangen. Es war das erste Mal seit seiner Ankunft in Moskau, dass er die russische Grenze überquerte.

In der Erklärung, die von Wikileaks veröffentlicht wurde, warf Snowden der US-Regierung die Missachtung einheimischen und internationalen Rechts vor und dankte Russland. Am Ende jedoch habe das Recht gesiegt, erklärte der 30-jährige Computerspezialist wenige Stunden nach Verlassen des Transitbereichs.

Snowdens Vater hatte seinem Sohn am Mittwoch empfohlen, in Russland zu bleiben. "Ich denke, dass Russland fest entschlossen und in der Lage ist, meinen Sohn zu beschützen", sagte Lon Snowden dem Fernsehsender Rossija 24. "Wenn ich an seiner Stelle wäre, würde ich in Russland bleiben." Erst am Dienstag war der US-Soldat Bradley Manning, der hunderttausende vertrauliche Dokumente an Wikileaks weitergegeben hatte, wegen Verstoßes gegen Spionagegesetze von einem US-Militärgericht schuldig gesprochen worden. Ihm drohen bis zu 136 Jahre Haft.

Die Aufnahme Snowdens durch Russland droht die ohnehin gespannten Beziehungen zu den USA weiter zu belasten. Der außenpolitische Berater von Präsident Wladimir Putin, Juri Uschakow, spielte die Bedeutung Snowdens aber herunter. "Diese Situation ist eher unbedeutend und sollte die politischen Beziehungen zwischen Russland und den USA nicht beeinflussen", sagte Uschakow. Es gebe auch keinen Hinweis, dass ein geplanter Besuch von US-Präsident Barack Obama im September in Russland abgesagt werden könnte.

 
 
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