Sondertribunal bestätigt 50 Jahre Haft für Taylor

26. September 2013, 15:38 Uhr

Das Sondertribunal für Sierra Leone hat die 50-jährige Haftstrafe für den früheren liberianischen Präsidenten Charles Taylor wegen Kriegsverbrechen bestätigt.

Das Sondertribunal für Sierra Leone hat die 50-jährige Haftstrafe für den früheren liberianischen Präsidenten Charles Taylor wegen Kriegsverbrechen bestätigt. Die Berufungskammer des Tribunals wies in Leidschendam bei Den Haag die Einwände der Verteidigung zurück, die einen Freispruch gefordert hatte. Dem 65-jährigen Taylor wird seine Rolle im Bürgerkrieg in Sierra Leone vorgeworfen, in dem 120.000 Menschen getötet wurden.

"Die Berufungskammer bestätigt die Strafe von 50 Jahren Gefängnis und ordnet an, dass die Strafe umgehend umgesetzt wird", sagte der Vorsitzende Richter George King in Leidschendam. "Die Berufungskammer ist der Meinung, dass das Urteil der Strafkammer im Lichte der Gesamtheit der (von Taylor) begangenen Verbrechen gerecht ist."

Mit dem Urteil endet der siebenjährige Prozess gegen den einstigen Warlord. Taylor, der in einen schwarzen Anzug mit goldgelber Krawatte gekleidet im Gerichtssaal saß, zeigte keine Gefühlsregung. Er wird nun voraussichtlich den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen, vermutlich in Großbritannien. In Freetown, der Hauptstadt von Sierra Leone, löste dies Freude und Erleichterung aus, wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Das Fernsehen übertrug die Urteilsverkündung live.

Nach Überzeugung der Richter hatte Taylor als Präsident Liberias die Rebellen während des Kriegs im Nachbarland Sierra Leone (1999-2002) bewaffnet, zudem ließ er seine Truppen an deren Seite kämpfen. Dafür wurde er mit sogenannten Blutdiamanten bezahlt, die unter unmenschlichsten Bedingungen geschürft wurden.

Gegen Taylor hatten elf Anklagepunkte wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgelegen. Im Mai 2012 wurde er zu 50 Jahren Haft verurteilt. Es war das erste Mal seit den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen von 1946, dass ein ehemaliger Staatschef von einem internationalen Gericht verurteilt wurde. Gegen das Strafmaß hatte auch die Anklage Berufung eingelegt, die eine höhere Strafe forderte. Taylor wies die Vorwürfe bis zuletzt als "Lügen" zurück.

Richter King sagte, Taylors Taten hätten nicht nur die Opfer verletzt, "sondern auch den Konflikt angeheizt, der zu einer Bedrohung für die Sicherheit in Westafrika wurde". Die Anklägerin des von der UNO unterstützten Sondertribunals, Brenda Hollis, sagte, das endgültige Urteil bestätige Taylors "Verantwortung für schwere Verbrechen, die zehntausende Menschen betrafen". Nun müsse festgelegt werden, wo Taylor seine Haftstrafe absitze. Großbritannien und das Gericht hätten dazu eine Vereinbarung.

Taylors Anwalt Morris Anyah zeigte sich "zutiefst enttäuscht". Er hatte auf einen ähnlichen Ausgang wie im Urteil des Haager Kriegsverbrechertribunals für das ehemalige Jugoslawien gehofft, das im Februar den früheren jugoslawischen Generalstabschef Momcilo Perisic im Berufungsverfahren freigesprochen hatte. Die Richter hatten dabei nicht genügend Beweise für eine direkte Schuld gesehen. "Die Rechtsprechung ist jetzt chaotisch, das hat praktische Folgen", sagte Taylors Anwalt Anyah.

Taylor war 1997 zum Präsidenten Liberias gewählt worden und wurde 2003 von Rebellen aus dem Amt gedrängt. Er ging ins nigerianische Exil. 2006 willigte Nigeria in die Auslieferung des mit internationalem Haftbefehl gesuchten Mannes ein.

 
 
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Die Kriegsministerin