Einen Tag nach dem Wahldebakel der beiden bisher in Griechenland regierenden Parteien sind erste Versuche zu einer Regierungsbildung bereits gescheitert.
Einen Tag nach dem Wahldebakel der beiden bisher in Griechenland regierenden Parteien sind erste Versuche zu einer Regierungsbildung bereits gescheitert. Der von Präsident Karolos Papoulias zunächst beauftragte Chef der Konservativen, Antonis Samaras, warf schon nach wenigen Sondierungsgesprächen das Handtuch. Papoulias wird nun den Vorsitzenden der Linksallianz Syriza, Alexis Tsipras, mit der Regierungsbildung betrauen.
"Ich habe getan, was ich konnte, um zu einem Ergebnis zu kommen", sagte Samaras im Fernsehen. "Aber es war unmöglich". Er habe Präsident Papoulias bereits informiert und sein Mandat zurückgegeben. Papoulias hatte zunächst Samaras als Vorsitzenden der stärksten Partei im Parlament mit der Regierungsbildung betraut. Der Chef der konservativen Nea Dimokratia traf mit den Vorsitzenden von Syriza, der sozialdemokratischen Pasok und der Demokratischen Linken (Dimar) zusammen, um über eine mögliche Koalition zu sprechen.
Syriza und Demokratische Linke lehnten ein Bündnis mit den Konservativen ab. Syriza-Chef Tsipras sagte, er könne nicht mit den Konservativen koalieren, da diese die mit EU und Internationalem Währungsfonds vereinbarten Sparpakete durchgesetzt hätten. Die Pasok erklärte sich zu einer Fortsetzung der bisherigen Koalition nur unter der Bedingung bereit, dass sich weitere Gruppierungen an ihr beteiligen.
Papoulias wird nun am Dienstag Tsipras als Chef der zweitstärksten Partei mit der Regierungsbildung beauftragen. Tsipras will nach eigenen Angaben eine Koalition der Linken schmieden, um das "barbarische" Spardiktat der internationalen Geldgeber zu kippen. Sollte er binnen drei Tagen ebenfalls scheitern, geht das Mandat an Pasok-Chef Evangelos Venizelos. Sollte bis 17. Mai keine Lösung gefunden sein, gibt es Neuwahlen.
Das Syriza-Bündnis, das gute Verbindungen zur Partei Die Linke in Deutschland unterhält, hatte bei der Wahl am Sonntag 16,8 Prozent der Stimmen erhalten. Stärkste Kraft wurde mit 18,8 Prozent die Nea Dimokratia. Die Pasok kam mit 13,2 Prozent auf den dritten Platz.
ND und Pasok wurden bei der Wahl für das drakonische Sparprogramm abgestraft, das die internationalen Kreditgeber dem von der Pleite bedrohten Land auferlegten. Sie erreichten zusammen weniger als die Hälfte ihres Ergebnisses von 2009 und kamen damit nur auf 149 von 300 Sitzen im Parlament, obwohl die ND als stärkste Kraft nach dem griechischen Wahlgesetzt einen Bonus von 50 Sitzen zusätzlich zugesprochen bekam. Ebenfalls im Parlament vertreten sind die rechtpopulistischen Unabhängigen Griechen (10,6 Prozent), die Neonazipartei Chryssi Avgi (sieben Prozent) und die Kommunistische Partei (KKE) mit 8,5 Prozent.