Ein Streik weniger Beschäftigter könnte Deutschlands größten Flughafen in Frankfurt am Main am Donnerstag komplett lahmlegen.
Ein Streik weniger Beschäftigter könnte Deutschlands größten Flughafen in Frankfurt am Main am Donnerstag komplett lahmlegen. Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) beschloss in Berlin, die Arbeit in den Bereichen Verkehrszentrale, Vorfeldaufsicht und Vorfeldkontrolle von 15.00 bis 22.00 Uhr niederzulegen. Der Flughafen-Betreiber Fraport bezeichnete dies als "nicht nachvollziehbar".
Die Verhandlungen zwischen Fraport und der GdF scheiterten, nachdem Fraport der Schlichtungsempfehlung des Vermittlers, Hamburgs früherem Ersten Bürgermeister Ole von Beust, nicht zugestimmt hatte. Fraport hatte von Beust selbst bestellt, doch nur die Gewerkschaft erklärte sich mit seinen Vorschlägen einverstanden. Am Mittwoch rief die GdF in Berlin zum Streik auf.
"Es kann passieren, dass kein Flieger die Position verlässt oder an Position ankommt", sagte GdF-Bundesvorstand Tarif und Recht, Markus Siebers, der Nachrichtenagentur AFP. Er schätzte, dass rund 400 Flüge von dem Streik betroffen sein werden. Das seien etwa 30 bis 40 Prozent des Tagesverkehrs von derzeit rund 1250 Flügen am Flughafen Frankfurt. Siebers schloss weitere Streiks nicht aus. Diese würden mit 24 Stunden Vorlauf angekündigt.
Ein Sprecher der Lufthansa kündigte am Abend an, dass die Fluggesellschaft wegen des Streiks 100 Flüge von und nach Frankfurt streichen werde. Damit fällt rund ein Drittel der geplanten 316 Flüge am Donnerstag aus. Passagiere können auf der Lufthansa-Homepage eine Liste aller gestrichenen Flüge einsehen. Umbuchungswünsche nimmt die Lufthansa-Hotline entgegen.
In dem Tarifkonflikt geht es nach Darstellung der Gewerkschaft um einen komplett neuen Tarifvertrag für das Vorfeldpersonal. Dieses ist eine kleine, aber entscheidende Berufsgruppe auf den Flughäfen. Es sorgt unter anderem dafür, dass Flugzeuge von ihren Parkpositionen zu den Flugbahnen kommen. Am Frankfurter Flughafen arbeiten rund 200 Beschäftigte in der Vorfeldkontrolle, Vorfeldaufsicht und der Verkehrszentrale. 190 davon sind in der GdF organisiert.
Knackpunkt in den Verhandlungen mit Fraport sei dessen Laufzeit gewesen, sagte der GDF-Sprecher. Die GdF wollte eine vierjährige Laufzeit, Fraport demgegenüber nach eigenen Aussagen fünf Jahren.
Fraport-Arbeitsdirektor Herbert Mai kritisierte die GdF-Entscheidung. "Die Streikandrohung ist aus unserer Sicht absolut nicht nachvollziehbar", erklärte er. Die GdF-Forderungen nannte er "unverantwortlich". Mai zufolge will Fraport versuchen, den laufenden Betrieb während des Streiks "so weit wie möglich aufrechtzuhalten". Allerdings seien Verzögerungen im Betriebsablauf und Flugausfälle nicht auszuschließen.