Die Staatsanwaltschaft Ravensburg verdächtigt den CDU-Bundestagsabgeordneten Andreas Schockenhoff, dass er betrunken Auto fuhr und einen anderen Wagen beschädigte. Der 54-jährige räumte ein, ein Alkoholproblem zu haben. Suchtexperten loben den Schritt als "mutiges Bekenntnis".
Suchtexperten haben das Bekenntnis des CDU-Bundestagsabgeordneten Andreas Schockenhoff zu seiner Alkoholkrankheit grundsätzlich positiv bewertet. Die Äußerungen des CDU-Politikers seien "sehr mutig", sagte Gabriele Bartsch von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) in Hamm am Freitag der Nachrichtenagentur AFP. Das Thema Alkohol sei sowohl privat als auch am Arbeitsplatz "immer noch ein Tabuthema". Alkoholabhängigkeit habe aber nichts mit moralischen oder charakterlichen Problemen zu tun, betonte die stellvertretende DHS-Geschäftsführerin. Vielmehr handele es sich um eine Krankheit, die in allen sozialen Schichten vorkomme und für die es gute Chancen auf Bewältigung gebe.
Auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) begrüßte das Eingeständnis des CDU-Politikers. Dies könnte auch eine Signalwirkung für andere alkoholabhängige Menschen haben, sagte eine BZgA-Sprecherin in Bonn der AFP. Für die Betroffenen sei es die "allergrößte Hürde", sich die Abhängigkeit einzugestehen und den ersten Schritt zu gehen, um Hilfe in Anspruch zu nehmen. Erste Anlaufstelle könne der Hausarzt sein, aber auch eine Beratungsstelle oder das anonyme Beratungstelefon der BZgA.
Im Zusammenhang mit Ermittlungen wegen Trunkenheit am Steuer und Fahrerflucht hatte sich Schockenhoff zu Alkoholproblemen bekannt. "Mir ist bewusst, dass ich alkoholkrank bin", schrieb der stellvertretende Vorsitzende der Unionsbundestagsfraktion am Donnerstag auf seiner Internetseite. Zudem kündigte er an, sich in Therapie begeben zu wollen. Schockenhoff wird vorgeworfen, am vergangenen Samstag nach einem Kreismusikfest in seinem baden-württembergischen Wahlkreis beim Ausparken ein Auto beschädigt zu haben und weggefahren zu sein. Die Staatsanwaltschaft Ravensburg hat ein Ermittlungsverfahren wegen Fahrerflucht und Trunkenheit im Straßenverkehr gegen ihn eingeleitet.
Alkohol ist das am weitesten verbreitete Suchtmittel in Deutschland. In Deutschland gelten rund 1,3 Millionen Menschen zwischen 18 und 65 Jahren als alkoholabhängig. Insgesamt trinken schätzungsweise 9,5 Millionen Menschen Alkohol "in gesundheitlich riskanten Mengen". Täglich sterben in Deutschland rund 200 Menschen an den Folgen ihres Alkoholmissbrauchs.