Syrien will UNO zu Giftgaseinsatz ermitteln lassen

9. Mai 2013, 20:13 Uhr

Syrien ist nach Angaben von Vizeaußenminister Faisal Mokdad bereit, sofort eine UN-Kommission zur Untersuchung möglicher Giftgasangriffe zu empfangen.

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Syrien ist nach Angaben von Vizeaußenminister Faisal Mokdad bereit, sofort eine UN-Kommission zur Untersuchung möglicher Giftgasangriffe zu empfangen. Die Kommission könne untersuchen, "was sich in Chan al-Assal ereignet hat", sagte Mokdad in Damaskus. Zugleich drohte er mit einer entschlossenen Reaktion im Falle neuer iraelischer Angriffe auf syrisches Territorium - Staatschef Baschar al-Assad sucht wegen der Angriffe den Schulterschluss mit der Hisbollah-Miliz.

"Wir waren bereit und sind jetzt, in dieser Minute, immer noch bereit, die Delegation zu empfangen", sagte Mokdad der Nachrichtenagentur AFP. Die syrische Armee und die Aufständischen werfen sich gegenseitig den Einsatz von Giftgas vor. Laut syrischer Führung töteten Rebellen am 23. März in Chan al-Assal in der Nähe von Aleppo mehr als 30 Menschen mit Chemiewaffen. UN-Ermittlerin Carla del Ponte hatte Ende vergangener Woche dem Schweizer Rundfunk gesagt, es gebe Hinweise auf einen Einsatz des Giftgases Sarin durch Aufständische. Ihre Untersuchungskommission stellte daraufhin aber klar, dass es keine Beweise für den Einsatz von Chemiewaffen gebe.

Zu einem möglichen neuen israelischen Angriff auf Syrien sagte Mokdad: "Unsere Vergeltungsmaßnahmen gegen Israel werden hart und schmerzhaft sein." Israels Armee hatte am Freitag und Sonntag vergangener Woche eine Reihe von Luftangriffen auf Ziele in Syrien geflogen.

Angesichts der Angriffe will Assad offenbar die vor allem im Libanon agierende israelfeindliche Hisbollah stärker unterstützen. Der syrische Machthaber drückte einem libanesischen Zeitungsbericht zufolge gegenüber libanesischen Besuchern in Damaskus der Hisbollah "Vertrauen, Zufriedenheit und große Dankbarkeit" aus und sagte: "Wir haben entschieden, ihnen alles zu geben."

Die Hisbollah vermeldete ihrerseits, Syrien wolle die Miliz mit "das Spiel verändernden Waffen" beliefern. Es handele sich um schwere Waffen, die die Hisbollah "bisher nicht gehabt hat", sagte Milizen-Chef Hassan Nasrallah im Fernsehen.

US-Außenminister Kerry setzte derweil in Rom die Vorbereitungen für eine neue internationale Syrien-Konferenz fort. Dabei stellte er klar, dass Assad "kein Bestandteil" einer möglichen Übergangsregierung sein dürfe. Kerry hatte am Dienstag die Zustimmung Moskaus zu der neuen Konferenz erhalten, sie soll noch in diesem Monat vermutlich in Genf stattfinden.

Der US-Außenminister zeigte sich in Rom zudem besorgt über Berichte über anstehende russischen Waffenlieferungen an Damaskus. Dies würde die Lage in der Region zusätzlich destabilisieren, sagte Kerry. Das "Wall Street Journal" hatte zuvor berichtet, eine Lieferung von russischen Boden-Luft-Abwehrbatterien vom Typ S-300 an Damaskus stehe unmittelbar bevor.

AFP