Syrischer Militärpolizeichef läuft zur Opposition über

26. Dezember 2012, 18:13 Uhr

Der Chef der syrischen Militärpolizei ist nach eigenen Worten zur Opposition übergelaufen und hat sich offenbar mit seiner Familie in die Türkei abgesetzt.

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Der Chef der syrischen Militärpolizei ist nach eigenen Worten zur Opposition übergelaufen und hat sich offenbar mit seiner Familie in die Türkei abgesetzt. In einem im Internet verbreiteten Video erhob General Abdel Asis Dschassem al-Schallal schwere Vorwürfe gegen die Regierung und bezeichnete die Armee als "mörderische Bande". Seit Beginn des Konflikts wurden laut Aktivisten rund 45.000 Menschen getötet.

Er habe sich von der Regierungsarmee abgesetzt und sich der "Revolution des Volkes" angeschlossen, sagte al-Schallal in der von Oppositionsaktivisten verbreiteten Aufnahme. Die Armee habe sich zu einer "mörderischen, zerstörerischen Bande" entwickelt. Die Zerstörung von Städten und Dörfern und der Befehl von "Massakern an unserem Volk, an hilflosen Zivilisten, die auf den Straßen nach Freiheit rufen", habe ihn zur Desertion getrieben, sagte der Militärpolizei-Chef.

Der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge floh al-Schallal über den Ort Reyhanli in der Grenzprovinz Hatay in die Türkei und hielt sich an einem unbekannten Ort auf. Das türkische Außenministerium war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Al-Schallals Aufgaben beschränkten sich im Wesentlichen auf Disziplinarmaßnahmen gegen Soldaten. Der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge hätte der General im Januar in den Ruhestand gehen sollen.

Wie der Leiter der Stelle, Rami Abdel Rahman, zudem erklärte, wurden seit März 2011 bereits mehr als 45.000 Menschen in Syrien getötet, darunter mehr als 31.500 Zivilisten. Diese Zahlen berücksichtigten aber weder Vermisste, noch gäben die Konfliktparteien ihre wahren Verluste an, um die Moral in den eigenen Reihen nicht zu schwächen. Eine Opferzahl von mehr als 100.000 Menschen sei daher denkbar. Die Londoner Beobachtungsstelle stützt sich auf ein breites Netz von Aktivisten und Ärzten vor Ort. Die Angaben sind von unabhängiger Seite aber nicht überprüfbar.

In Syrien bemühte sich der Sondergesandte Lakhdar Brahimi in Damaskus erneut um eine Verhandlungslösung. Gespräche mit Vertretern beider Seiten brachten jedoch keinen Fortschritt, wie aus UN-Kreisen verlautete. "Assad blockte Brahimi anscheinend erneut ab, der UN-Sicherheitsrat gibt ihm nicht einmal annähernd die Unterstützung, die er braucht, und die Rebellen wollen keinen Kompromiss eingehen", sagte ein UN-Vertreter. Am Samstag wird Brahimi in Moskau erwartet, während sich am Dienstagabend bereits Syriens Vize-Außenminister Fayçal Mokdad nach Russland begab.

Aktivisten zufolge wurden landesweit mindestes 58 Menschen bei Angriffen und Gefechten getötet, darunter 26 Zivilisten. Auch in dem palästinensischen Flüchtlingslager Jarmuk in Damaskus flammte die Gewalt erneut auf. Die Zahl der syrischen Flüchtlinge in der Türkei stieg nach offiziellen Angaben auf 148.000.

AFP