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13. Februar 2011, 16:57 Uhr

Leiche bei "Waldhof"-Bergung gefunden

Hunderte Schaulustige haben von der Höhe des Loreleyfelsens die Bergung der "Waldhof" im Rheintal verfolgt. Ganz langsam, über Stunden, wurde der Tanker angehoben und gedreht.

Frühaufsteher unter den Schaulustigen waren bei der Bergung der "Waldhof" am Sonntag im Vorteil. Sie konnten beobachten, wie das gekenterte Tankschiff vom Flussgrund gehoben wurde. Danach vergingen Stunden, bis das seit der Havarie auf seiner linken Seite im Rhein liegende Schiff wieder vollends aufgerichtet war. Dennoch zogen hunderte Menschen auf das Felsplateau oberhalb des Rheintals an der Loreley, um sich das gigantische Schauspiel in Zeitlupe anzusehen. Hauptakteure der Inszenierung: Ein 110 Meter langes Schiffswrack und drei Schwimmkräne mit so beeindruckenden Namen wie "Atlas" oder "Grizzly".

Unten hatte die Polizei aus Sicherheitsgründen das Ufer weiträumig abgesperrt. Die Einsatzleitung hatte befürchtet, dass eines der, Stahlseile mit dem die "Waldhof" gesichert wurde, reißen könnte. "Die gehen dann ab wie eine Rakete in die Luft", sagte Rolf Schmidt, der so etwas mal an der Elbe gesehen hat und im Urlaub einen Blick auf die Arbeiten wirft. Wer von einem solchen Seil erwischt wird, habe keine Überlebenschance, sagte der Rentner aus Norddeutschland.

Immer mehr Menschen kamen im Tagesverlauf auf den Loreleyfelsen. "In dieser Jahreszeit stehen hier sonst drei Autos", sagte Schmidt. Jetzt waren es 30 oder 40. Doch es ist ein Kommen und Gehen, denn nur ganz langsam sind die Veränderungen am Schiff zu erkennen und nicht jeder hat viel so viel Zeit. "Gleich gibt es Mittagessen", sagte einer, der in der Nähe wohnt. Später wollte er wiederkommen, er ist seit der Havarie am 13. Januar jeden Tag hier gewesen. Da will man fast genau einen Monat danach das große Finale doch nicht verpassen: Das Schiff sollte schließlich aus der Fahrrinne an das Ufer gezogen werden.

Für den Anwohner ist die Unfallursache klar: "Die waren doch wahrscheinlich viel zu schnell unterwegs", meint er. Doch die Gründe für die Havarie des Tankers mit 2400 Tonnen Schwefelsäure an Bord liegen tatsächlich weiter im Dunkeln. In einem Internetforum von Binnenschiffern wurde zwar die Frage diskutiert, ob sich die Säure in den vielen engen Kurven an der Loreley aufgeschaukelt und so das Schiff zum Umkippen gebracht haben könnte. Offizielle Angaben zur Unfallursache sind gibt es weiterhin nicht.

Spezialisten entdeckten die Leiche eines Besatzungsmitglieds nach der Bergung des Havaristen am Sonntag im Inneren des Schiffes. Ein zweiter Bootsmann wurde noch immer vermisst. Zwei Besatzungsmitglieder konnten nach dem Unfall gerettet werden.

Neben der schwierigen Suche nach den Vermissten hatte die Einsatzleitung viele Klippen bei der Bergung zu umschiffen. So behinderte Hochwasser die Arbeiten, dann drohte das Wrack in eine Mulde im Rheingrund abzurutschen und schließlich herrschte Explosionsgefahr, weil sich in den Tanks mit Schwefelsäure auch noch Wasserstoff gebildet hatte. Bis zur Bergung war die Chemikalie jedoch bis auf 100 Tonnen in den Fluss oder auf ein anderes Schiff abgepumpt worden.

Seit dem Morgen wurde Wasser aus den Tanks des Havaristen gepumpt, um ihm Auftrieb zu geben. Langsam drehten "Atlas" und die anderen Kräne dabei das Wrack in seine Normalposition. Am Mittag zeigten sich die Verantwortlichen erleichtert. "Wir haben das Schlimmste hinter uns. Uns fallen viele Steine vom Herzen", sagte der Staatssekretär des rheinland-pfälzischen Innenministeriums, Roger Lewentz (SPD). Es hatte Befürchtungen gegeben, dass das Schiff auseinanderbrechen könnte. Am Ufer angekommen sollte das Wrack dann nach den Vermissten abgesucht werden, hieß es bei der Einsatzleitung. Und mit Blick auf die Schaulustigen wurde ergänzt: Solange bleibe der Bereich gesperrt.

Tobias Goerke, DPA/AFP
 
 
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